Buchtipp: Herr Rosenberg und die Kaffeetasse

Gundi Gaschler: Herr Rosenberg und die Kaffeetasse(c) Engin_Akyurt/Pixabay

Gewaltfreie Kommunikation nach Dr. Marshall B. Rosenberg: Die Bücher zur Theorie des Kommunikationsmodells sind immens. Jetzt kommt Gundi Gaschler mit einem kleinen, quadratischen Büchlein. In persönlichen Geschichten erzählt sie als Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation aus ihrem Seminaren. Ebenso zeigt sie sich privat. Die Leser erfahren, was die Wertschätzende Kommunikation für das Familienleben bedeutet. Geschenk-Tipp zum Muttertag!

Gewaltfreie Kommunikation: Was ist das?

Mit Gewaltfreier Kommunikation nach Marshall Rosenberg können Menschen Empathie lernen und Selbstempathie üben. Mit Empathie bauen wir viele Urteile ab und erhöhen das Verständnis für unsere Mitmenschen. So gestalten wir unsere privaten und beruflichen Beziehungen aktiv. In Konflikten sprechen wir das an, was uns wirklich wichtig ist. Mit Selbstempathie pflegen wir einen liebevollen Umgang mit uns selbst. So stoppen wir den inneren Kritiker und üben uns in Selbst-Mitgefühl.

Durch das Kommunikationstraining nach Marshall Rosenberg lernen wir die Kunst des Dialogs, auch in Konflikten: authentischer Selbstausdruck, aktives Zuhören und Empathie sind wichtige Elemente.

Ich biete Ausbildungen und Seminare rund um die Gewaltfreie Kommunikation an in Bayern, in Franken, Bayreuth, Bamberg, Hof, Kulmbach, Forchheim, Erlangen, Nürnberg und Geroldzhofen an.

Gewaltfreie Kommunikation mit Kindern

Frank und Gundi Gaschler sind seit vielen Jahren als Trainerinnen für Gewaltfreie Kommunikation tätig. Sie haben sich spezialisiert auf Gewaltfreie Kommunikation für Kinder und in Familien. Für Kindergärten haben sie das “Projekt Giraffentraum” entwickelt. Mit dem Projekt Giraffentraum führen Erzieherinnen die Gewaltfreie Kommunikation in Kindergärten und Lehrerinnen an Grundschulen ein.

Im Jahr 2014 habe ich am Multiplikatoren-Seminar Giraffentraum Gewaltfreie Kommunikation im Kindergarten teilgenommen. So habe ich Frank und Gundi Gaschler als Kommunikationstrainer und persönlich kennen gelernt. Sowohl bei Gundi als auch Frank stecken voller Menschlichkeit, Liebe und Wärme. Das Seminar bei Frank und Gundi hat mich sehr inspieriert, weil ich Lebendigkeit, Abwechslung und Ehrlichkeit erfahren habe.

Außerdem haben Frank und Gundi Gaschler im Kösel-Verlag das Buch geschrieben Ich will verstehen, was du wirklich brauchst”. Dieses Buch ist das Arbeitsbuch für Erzieherinnen und Lehrerinnen, welche das Projekt Giraffentraum in den Kindergarten, im Hort oder in der Grundschule einführen wollen. Gleichzeitig ist es aber auch eine leicht verständliche Einführung in die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg. Es überzeugt mich durch seine einfache Sprache, Menschlichkeit und Herzlichkeit.

Gundi Gaschler gibt ihre Tätigkeit als Kommunikationstrainerin auf. Das Buch “Herr Rosenberg und die Kaffeetasse” ist deshalb ein kleines Vermächtnis ihrer langjährigen Tätigkeit als Kommunikationstrainerin.

Herr Rosenberg: Aufbau und Inhalt

  • Erlebnisse in Seminaren und Coaching
  • Erlebnisse aus dem “wirklichen” Leben
  • Erlebnisse in meiner Familie
  • Meine besondere Entdeckungsreise
  • Resumee: Wie war es für die Töchter?
  • Nachwort – ein paar Highlights aus meinem GFK-Leben

Gewaltfreie Kommunikation: Methodik

Herr Rosenberg und die Kaffeetasse ist ein Lesebuch. Und trotzdem können die Leser bei der Lektüre einiges über die Methode des Kommunikationsmodells erfahren. Ebenso lernen sie etwas über die Methodik und Didaktik in den Seminaren für Gewaltfreie Kommunikation.

Kernpunkt der Gewaltfreien Kommunikation sind Bedürfnisse. Gundi Gaschler beschreibt an etlichen Beispielen, wie es in den Seminaren gelingt, das wirkliche Bedürfnis zu finden.

Sie beschreibt den Prozess, in dem man die Bedürfnisse findet. Dadurch lernen die Leser sehr viel über die Haltung der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg.

Für viele Menschen ist es eine neue Erkenntnis, dass sie Bedürfnisse haben dürfen: In unserer Gesellschaft vor allem für Frauen und Mütter.

„Was, ich darf Bedürfnisse haben?“ Meine Antwort ist: „Ja, darfst du. Du bist ein Mensch, wie jeder andere. Du hast sie und es sind Kostbarkeiten, Schätze, Kraftquellen, die dich am Leben halten. Sie stehen dir zu!“

Gundi Gaschler

In einigen Beispielen unterstützt Gundi Gaschler Teilnehmer bei ihrem authentischen Selbstausdruck. Das ist die erste Ansprache eines Anliegens, wenn wir einen Konflikt ansprechen wollen. Gundi Gaschler ist als Kommunikationstrainerin auch sehr klar in ihrer Methode: Wenn sie Teilnehmer im Rollenspiel begleitet, dann bleibt sie auf der kommunikativen Ebene. Erst in der persönlichen Begleitung unterstützt sie Teilnehmer durch Coaching bei der Persönlichkeitsentwicklung.

Kommunikationstraining und Coaching sind etwas anderes.

Im Coaching können emotionalen Wunden mit Tiefer Empathie geheilt werden. Das Coaching ermöglicht auch mehr emotionale Tiefe und auch einen Blick in die Vergangenheit. Im Kommunikationstraining bleibt sie in der Gegenwart. Da geht es “nur” darum, einen Konflikt zur Lösung zu bringen.

Was mir gefällt: Sowohl beim Coaching als auch beim Kommunikationstraining ist in den Geschichten von Gundi Gaschler sehr viel Menschlichkeit und Verletzlichkeit.

Gewaltfreie Kommunikation: Liebe annehmen

Gewaltfreie Kommunikation bedeutet: Liebe annehmen. Das wird an mehreren Geschichten deutlich. In einer Geschichte führt Gundi eine Bedürfnis-Abwägung durch: zwischen Yoga und Entspannung einerseits und Unterstützung für einen fremden Busfahrer andererseits. Gundi entscheidet sich für Unterstützung

Zum Dank überlässt er ihr Gemüse aus seiner Heimat am Mittelmeer. Gundi Gaschler bringt ihren Dank zum Ausdruck und freut sich darüber. Vielen Menschen fällt es schwer, Liebe anzunehmen. Die Gewaltfreie Kommunikation kann uns dabei unterstützen. Mir gefällt, wie Gundi das in der Geschichte macht. Sie übermittelt dem Busfahrer auch ihre Wertschätzung, dass sie das Geschenk annimmt.

Wertschätzung heißt: Liebe und Geschenke annehmen und würdigen können.

Andrea Wiedel

Gewaltfreie Kommunikation: Die Akzeptanz-Pille

Gewaltfreie Kommunikation, Coaching und Empathie können nicht alle Situationen im Leben zum Positiven verändern. Manches ist unveränderlich, wie zum Beispiel die Sorge der Mütter um das Wohlergehen unserer Kinder. Eltern und insbesondere Mütter haben oft Angst und sind in Sorge um das Wohlergehen ihrer Kinder. So ist das eben, wenn man seine Kinder liebt. Deshalb erzählt Gundi Gaschler davon, wie sie eine Mutter in diesen Ängsten durch Coaching emotional begleitet hat.

Die Akzeptanz-Pille ist eine ganz gewöhnliche kleine Pille, ein Smarties oder eine Erdnuss. Vom Coach oder Kommunikationstrainer wird sie mit einer symbolischen Bedeutung aufgeladen: Wer die Pille zu sich nimmt, kann die Realität leichter akzeptieren. So entfaltet die Akzeptanz-Pille beim Coachee eine magische Wirkung. In diesem Beispiel hat sie die Mutter unterstützt, das Mutter-Sein trotz ihrer Sorge um die Kinder zu genießen.

Ziel unseres Lebens ist es nicht immer glücklich zu sein. Ziel ist es, all unser Lachen zu lachen und unsere Tränen zu weinen.

Marshall B. Rosenberg, Psychologe und Begründer der Gewaltfreien Kommunikation

Gewaltfreie Kommunikation: Ehrlichkeit

Die Familie Gaschler gilt als Vorzeigefamilie in der Szene der Gewaltfreien Kommunikation. Doch das Modell der Vorbild-Funktion widerspricht der Haltung der Gewaltfreien Kommunikation. Denn in der Gewaltfreien Kommunikation geht es nicht um Perfektion oder das Nachahmen von Vorbildern, auch wenn sie auch noch so empathisch sind und gewaltfrei sprechen. In der Gewaltfreien Kommunikation geht es um Selbstakzeptanz und Selbstreflexion.

Gundi Gaschler lässt ihre Kinder zu Wort kommen. Ihre Tochter Marie wehrt sich gegen die Rolle als das Gewaltfreie-Kommunikation-Vorzeige-Kind. Sie bringt es in ihrem Interview auf den Punkt: “Ich bin nicht nur das Gewaltfreie-Kommunikation-Vorzeige-Kind. Ich habe auch noch ganz viele andere Eigenschaften. Und mit denen will ich gesehen werden!”

Paradox: Mit genau diesen Worten äußert sie ein tiefes Verständnis der Haltung der Gewaltfreien Kommunikation.

Gewaltfreie Kommunikation: Rollenspiele

Kommunikation wird oft in Rollenspielen geübt, so auch in der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg. Als Kommunikationstrainerin leite ich (Andrea Wiedel) Teilnehmer an, nach wenigen Vorinformationen die Rolle von Konfliktpartnern zu übernehmen.

Konflikt-Rollenspiel Beispiel: Der Teilnehmer Herr Müller spielt Herrn Maier. Und Teilnehmerin Schulze spielt Frau Maier. Herr und Frau Maier sind verheiratet und haben diverse Paarkonflikte. Überraschend ist: In der Rolle des Ehepaars Maier kommunizieren und spielen Herr Müller und Frau Schulze ziemlich authentisch die reelle Kommunikation nach. Dabei empfinden sie auch ähnliche Gefühle.

Gundi Gaschler berichtet von vielen Situationen, in denen sie als Seminarleitung in die Rolle von Teilnehmern geschlüpft ist und deren Rolle übernommen hat. Das ist neu für mich. Ich bin mir nicht sicher, ob mich diese “Methode” überzeugt, weil ich als Trainerin dann aus meiner Rolle der Seminarleitung gehe und diese nicht mehr ausüben kann.

“Herr Rosenberg und die Kaffeetasse”: Gundi Gaschler beschreibt die Gefühle und Gedanken ihrer Rolle unheimlich gut, nachvollziehbar und detailgetreu. Es macht richtig Spaß das zu lesen. Es ermöglicht den Lesern die Einfühlung in die Akteure. Diese inneren Vorgänge werden im Buch “Herr Rosenberg und die Kaffeetasse” kursiv hervorgehoben. Hier scheint Gundi Gaschler eindeutig Talent zu haben. Vielleicht deswegen, weil sie auch als Schauspielerin tätig ist.

Gewaltfreie Kommunikation mit Kindern

Gundi Gaschler beschreibt, wie eine Streitschlichtung im Kindergarten funktioniert am banalen Streit um eine rote Schaufel. Dies zeigt den Leserinnen, wie Gewaltfreie Kommunikation auch bei Kinder funktioniert. Und wie Gewaltfreie Kommunikation das Zusammenleben mit Kindern vereinfachen kann.

An anderer Stelle ist Gundi – nach vorheriger Verabredung – in die Rolle eines Kindes geschlüpft. Im kommunikativen Rollenspiel war verabredet, dass sie als Kind von Erwachsenen ausgeschimpft werden soll. Gundi Gaschler beschreibt absolut authentisch ihre Gefühle, die sie in der Rolle des getadelten Kindes empfunden hat: Scham, Scham, Scham.

Deshalb empfehle ich das Buch Eltern, Erziehern, Lehrern und allen Menschen, die mit Kindern zu tun haben. Ausschimpfen ist eine bewährte Erziehungsmethode. Hier erfahren wir, welche Gefühle wir dadurch in unseren Kindern auslösen. Das wollen wir bestimmt nicht. Die Autorin hat sehr gut beschrieben, was Kommunikation in Kindern bewirken kann. und wie auf lange Sicht Selbstwertgefühl unserer Kinder zerstören können.

Worte wirken auf der Beziehungsebene.

Was mir sehr gut gefällt:

Im Buch “Herr Rosenberg und die Kaffeetasse” spüren die Leser Gundi Gaschlers Bereitschaft, sich dem Leben hinzugeben und gleichzeitig praktisch Dinge zu tun. Eine wunderbare Mischung aus Menschlichkeit, Liebe und Herzlichkeit und Pragmatismus. Sie zeigt sich offen mit all ihrer Verletzlichkeit. Es ist ein sehr persönliches Buch.

Die Theorie der Gewaltfreien Kommunikation wird knapp und gleichzeitig verständlich vermittelt. Es ist kein Lehrbuch. Dennoch erhalten Leserinnen grundlegende Informationen. Mir gefällt die Idee, die Gewaltfreie Kommunikation in Form von Geschichten zu vermitteln. Dies ist eine etwas andere Form des Lernens. Die Geschichten eignen sich auch für Kommunikationstrainerinnen zum Vorlesen im Seminar.

In manchen Situationen stehe ich der Gewaltfreie Kommunikation Szene kritisch gegenüber:   Manchmal erlebe eine “Wir haben uns alle lieb”-Mentalität, die einen aufrichtigen Kontakt und ehrlichen Konfliktdialog verhindert.

Das Buch von Gundi Gaschler ist angenehm anders. Immer wieder wird deutlich, dass Gewaltfreie Kommunikation ein Weg und ein Prozess ist: Gewaltfreie Kommunikation ist toll und trotzdem ringen wir Menschen um eine gute Dialogkultur, Beziehungskultur und Familienkultur. Wir streiten und dann kommt uns die empathische Haltung abhanden. Manchmal ist es ganz schön schwer, wertschätzend zu kommunizieren. Und genau diese Haltung kommt in dem Buch rüber. Deswegen finde ich es sehr wertvoll.

Was mir weniger gefällt:

Gundi erzählt Geschichten aus Seminaren für Gewaltfreie Kommunikation und schildert diese in Dialogen. Manchmal komme ich mit diesen vielen Rollen durcheinander. Dann weiß ich nicht, ob die Autorin spricht als Gundi, in der Rolle der Teilnehmerin oder als Kommunikationstrainerin.

Fazit

Herr Rosenberg und die Kaffeetasse von Gundi Gaschler ist absolut lesenswert. Es eignet sich aufgrund der Aufmachung auch sehr gut zum Verschenken. Aufgrund seiner Thematik ist es sehr gut als Geschenk für Familien und Mütter geeignet, zum Beispiel auch als Muttertags-Geschenk. Es eignet sich auch für Kommunikationstrainer zum Vorlesen im Seminar. Ein leicht lesbares Buch, um eine Idee von der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg zu bekommen: Und zwar von der Menschlichkeit, der Verletzlichkeit und der Unvollkommenheit der Gewaltfreien Kommunikation.

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Buchtipp: Gewaltfreie Kommunikation: Herr Rosenberg und die Kaffeetasse

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