Coaching: Verlieren und Finden

Kennst du das auch? Du hast etwas verloren, Du suchst  an allen Ecken und Enden und kannst es nicht finden. In dem Moment, als du dich um Ersatz gekümmert hast, taucht der verlorene Gegenstand an unmöglicher Stelle auf. Was dieses Phänomen mit unserem Leben und mit Coaching zu tun hat?

Geldbörse weg: Kein Grund zur Panik

Einmal konnte ich meine Geldbörse nicht mehr finden. Ich konnte mich zwar noch erinnern, wo ich sie das letzte mal verwendet hatte (im Auto auf dem Beifahrersitz) und was ich damit bezahlt hatte (die Tankfüllung). Aber der Rest der Erinnerung war weg.

Meine innere Stimme sagte mir, dass ich mein Portemonnaie nicht verloren hatte. Ich war also keineswegs in Panik. Ich recherchierte den Tagesablauf, telefonierte mit dem Fundbüro und Örtlichkeiten, an denen ich nach dem Tanken gewesen war. Mein Portemonnaie war und blieb verschwunden.

Wie ich die Wochen ohne EC-Karte, Bargeld und Dokumente (Personalausweis, Ausweis für die Stadtbibliothek etc.) überbrückt habe, weiß ich nicht mehr.

Langsam machte ich mich mit dem Gedanken vertraut, mich um die Beschaffung von Ersatzdokumente zu kümmern (die vielen Behördengänge, die Zeit, der Papierkram und die Kosten). Da war die Sommerpause vorbei und es begann das Herbstsemester an der Volkshochschule Bayreuth und damit meine wöchentlichen Sprachkurse in Französisch und Türkisch. Als ich zum ersten Termin meine Tasche packte, war ich baff: Da lag meine Geldbörse, wohlbehalten, ausgeruht und freute sich auf das neue Herbstsemester.

Armbanduhr: Symbol für die verlorene Zeit

Es gab eine Zeit, da war meine Mutter im Krankenhaus. In diesen Wochen war meine Zeit mit Arbeit, Fahrten ins Krankenhaus gut angefüllt. Ich war im Streß und bin kaum zu etwas anderem gekommen, als Arbeiten, Autofahren und am Krankenbett sitzen. Und Kind und Haushalt natürlich, aber das ist so selbstverständlich wie Körperpflege, deswegen erwähne ich es nicht.

Nur ab und zu am Abend einen kleinen Spaziergang um den Block, um auf andere Gedanken zu kommen und um wenigstens ein bisschen Frischluft zu atmen. Und in den ersten Sonnenstrahlen der Frühlingssonne am Samstagvormittag auf dem Balkon.

Irgendwann merkte ich, dass meine Armbanduhr verschwunden war. Und das war doof, denn ich hatte einen strengen Zeitplan.

Wo konnte ich sie liegen gelassen haben? Im Bad? Im Schlafzimmer? Auf der Arbeit? Oder war sie mir bei einer unachtsamen, hektischen Bewegung vom Handgelenk gerutscht?

Ich war ein bißchen hektisch und in Sorge, denn ich liebte meine Armbanduhr. Gleichzeitig dachte ich:

Vielleicht will mich der Verlust der Armbanduhr darauf aufmerksam machen, dass ich mir wieder mehr Zeit nehmen muss – so wie einen eine Krankheit zur Auszeit zwingt, wenn man sich diese nicht rechtzeitig gönnt.

Gleichzeitig war der Verlust der Armbanduhr ein Symbol und Symptom für meine damalige Lebenssituation: Ich hatte meine Zeit verloren.

Meiner Mutter ging es langsam besser und ich fand langsam wieder in meinen eigenen Lebens- und Tagesrhythmus kam, mit Ruhezeiten und Regenerationsphasen. Eines Morgens saß ich auf dem Balkon und wollte gerade meinen Cappuccino auf dem Fensterbrett abstellen… Da lag sie: gut verborgen hinter einem Blumenkasten, meine verloren gegangene und wiedergefundene Zeit, vielmehr meine Armbanduhr.

Ohne innere Ruhe: Lesebrille unauffindbar

Kürzlich war meine Lesebrille verschwunden. Es war nicht wirklich schlimm, denn ich las auch gerade keine bzw. wenig Bücher mehr. Eine unruhige Zeit mit viel Hin und Her.

Wenn ich mal ein Buch in die Hand nahm, dann legte ich es nach kurzer Zeit zur Seite und “kuckelte” (Wortneuschöpfung für googlen und kucken) lieber was an meinen Laptop. Wenn ich dann doch mal ein Buch in den Händen hielt, dann las ich es ohne Brille und mit der Nase an den Buchseiten (anstrengend für die Arme beim Halten des Buches).

Ich suchte an allen Ecken und Ende. Ich kramte in den letzten Hirnwindungen, wo ich meine Lesebrille liegen gelassen haben könnte: In der Sauna? Im Zug? War ich aus Versehen darauf getreten und hatte sie beim Hausputz weggefegt (randlose Brille, kaum sichtbar). Wann hatte ich sie das letzte Mal aufgehabt? Wann hatte ich das letzte Mal ein Buch gelesen? Ich konnte mich nicht erinnern.

Alles Grübeln und alle Suchaktionen blieben ergebnislos. Schließlich glaubte meine Lesebrille schon verloren. Ich tröstete mich mit dem Gedanken, dass eine neue Lesebrille ja keine zu teure Anschaffung sein würde, da man ein billiges Gestell verwenden könnte.

Meine Lebensphase änderte sich und meine innere Verfassung. Meine Tage nahmen wieder mehr Struktur an. Ich kam zur Ruhe und ging wieder zu normalen Zeiten ins Bett. Ich kuschelte mich unter meine Decken, dehnte und räkelte mich. Ich griff nach hinten, um mir mein Nackenkissen zu holen: da lag sie, gut verborgen und leicht verstaubt. Ich hatte mir einfach lange nicht mehr die Ruhe und den Luxus gegönnt, im Bett zu lesen und dabei das Kissen als Stütze für meinen Nacken zu verwenden. Erst als ich wieder in die Ruhe gekommen bin, um Bücher zu lesen, habe ich meine Lesebrille wieder gefunden.

Coaching: Was hat das damit zu tun?

Im Coaching und in der persönlichen Begleitung von Menschen ist meine tiefe Überzeugung, dass wir Dinge nicht mit dem Verstand erzwingen können. Wenn jemand – aus welchen Gründen auch immer – wenig Selbstwertgefühl hat, dann lässt sich das nicht von heute auf morgen ändern, so braucht Zeit zum Wachsen. Glaubenssätze, in unseren Gehirn tief eingeprägte Überzeugungen, wie die Welt und wie wir in der Welt sind, lassen sich nicht in nur einer Sitzung umpolen.

Für persönliches Wachstum und Weiterentwicklung braucht es mehr als nur Verstand (denn der konnte ja die verlorenen Gegenstände allein nicht finden), sondern andere Parameter wie innere Bereitschaft, den richtigen Zeitpunkt und/oder emotionale Offenheit.

Und: im Leben läuft nicht immer alles nach Plan. Manchmal verlieren wir etwas und es dauert eine Zeit, bis wir es – oder etwas Neues – wieder finden. Das Leben ist das Leben ist das Leben. Und wir mittendrin. Wir können nicht immer alles unter Kontrolle haben.

Eure Erfahrungen?

Was habt Ihr für Erfahrungen mit dem Verlieren und Finden von Gegenständen?

Könnt auch Ihr bestätigen, dass wir mit Verstand/Vernunft allein nichts erreichen?

Was unterstützt Euch bei der persönlichen Weiterentwicklung?

Originally posted 2018-03-19 17:47:26.

Kategorie Aus dem Leben

Ich bin Juristin, Kommunikationstrainerin und Coach, Autorin, Hobby-Neurobiologin, Möchte-Gern-Psychologin, Zuhörerin, Freigeist und Bücherwurm. Ich begleite Menschen bei der Überwindung von emotionalen Blockaden hin zu Potentialentfaltung. Unternehmen unterstütze ich bei der Entwicklung einer wertschätzenden Unternehmenskultur. Ich lebe mit meiner Tochter in Bayreuth.

2 Kommentare

  1. S’Haus verliert nix. (Das Haus verliert nichts) Sagt man um sich zu beruhigen, wenn alle
    Winkel abgesucht, der Gegenstand aber trotzdem nicht gefunden wurde.
    Wenn’s pressiert weil Schlüssel, Handy gesucht wird dann: Heiliger Antonius von Padua hilf!
    Wenn’s stärker pressiert: 5 Euro dem Heiligen für den Opferstock versprechen. Gegenstand
    taucht in kürzester Zeit wieder auf. Mit dem Begleichen der Schuld nicht zu lange warten.
    Gesucht wird bald wieder. Wenn die Schulden nocht da sind dauert es umso länger bis das
    erneut gesuchte wieder auftaucht.

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