Entwicklungstrauma heilen mit Beziehungsarbeit

Entwicklungstrauma heilen mit Bindungsarbeit: Mann mit Stirntuch im Profil(c)aguycalledmatty /Pixabay Entwicklungstrauma heilen mit Bindungsarbeit

Entwicklungstrauma heilen gelingt, wenn wir den Körper einbeziehen und an der Selbstregulierung arbeiten. Aktuelle Psychotherapien scheitern oft und führen zur Retraumatisierung. Warum das so ist, belegt die Neurobiologie. Welche Voraussetzungen braucht es, damit Traumatherapie gelingt?

Dies wird im Buch “Entwicklungstrauma heilen” von Laurence Heller und Aline LaPierre erläutert. Das Buch beschreibt präzise und verständlich traumabedingte Entwicklungsstörungen und zeigt, wie bei Klienten alte Überlebensstrukturen gelöst und die Selbstregulierung und Beziehungsfähigkeit gestärkt werden kann. Es bezieht neueste Erkenntnisse der Neurobiologie und Entwicklungsforschung mit ein.

Die Methode NARM

Die Autoren Laurence Heller und Aline LaPierre sind US-amerikanische Psychologen und haben die Methode NARM entwickelt. NARM beruht auf Somatic Experiencing von Peter Levine und bezieht den Körper in die Psychotherapie ein.

Aline LaPierre hat eine Methode entwickelt, die Körperberührungen in die Therapie einbezieht, nämlich das Modell NeuroAffective Touch.

Entwicklungstrauma heilen: Inhalt

In Teil I werden auf ca. 100 Seiten die Wirkung von Entwicklungstrauma und Schocktrauma in der frühen Kindheit erklärt.

In Teil II werden im ersten Kapitel die neurobiologischen Grundlagen von Trauma, Bindung und Selbstwertgefühl erklärt und anschließend auf das Kernbedürfnis Kontakt in Theorie und Praxis vertieft.

Teil I Die fünf adaptiven Überlebensstrukturen

  • Kontakt:  
  • Einstimmung:  
  • Vertrauen:  
  • Autonomie:  
  • Liebe und Sexualität:  

Teil II Die Kontakt-Überlebensstruktur

  • Physiologie und Trauma: Die Auswirkungen von Trauma auf die Entwicklung
  1. Teil A: Die Kommunikationsnetzwerke des Körpers
  2. Teil B: Traumareaktionen besser verstehen
  3. Teil C: Die Auswirkungen von Traumen auf die frühkindliche Entwicklung
  • Die Anfänge unserer Identität: Die Kontakt-Überlebensstruktur verstehen
  • Mitschrift einer NARM-Therapiesitzung mit Kommentar (Carola)
  • Der Weg zur Auflösung von Traumen: Kontakt mit sich selbst und anderen
  • Heilung der Beziehungsmatrix: NARM und Neuroaffective Touch in der Langzeittherapie (Emma)
  • Heilung verzerrter Ausdrucksformen der Lebenskraft: Ein systemischer Ansatz (Paul)

Wie funktioniert Beziehungsarbeit mit NARM

Entwicklungstrauma heilen: NARM ist die Abkürzung für NeuroAffective Relational Model. Ins Deutsche übersetzt heißt es: Das neuroaffektive Beziehungsmodell zur Traumaheilung. 

NARM ist ein psychotherapeutisches Verfahren, das den Körper einbezieht. Im Mittelpunkt stehen die menschlichen Fähigkeiten zu in-Kontakt-sein und Lebendigkeit. 

NARM ist lösungsorientiert, prozessorientiert und empathisch. Es arbeitet mit Ressourcen und ist nicht-regressiv und nicht-kathartisch.

Entwicklungstrauma heilen mit Lebenskraft

Entwicklungstrauma heilen will unsere Lebenskraft wieder zum Leben erwecken. Was heißt das?

In uns allen gibt es eine Kraft, die spontan nach Kontakt, Gesundheit und Lebendigkeit strebt. Wie eine Pflanze sich spontan dem Sonnenlicht zuwendet, so gibt es auch in Menschen mit Entwicklungstrauma die tiefe und große Sehnsucht nach In-Verbindung-Sein und Heilung (ähnlich wie Carl Rogers von der Selbstaktualisierung spricht) (und Marshall Rosenberg von den Gefühlen und Bedürfnissen als innere Lebendigkeit).

Für ein erfülltes Leben ist die Entfaltung der Lebenskraft wichtig. Diese Entfaltung ist Menschen mit Entwicklungstrauma nicht möglich, weil die psychische und physische Energie eingefroren ist. Eine Traumatherapie unterstützt die Menschen dabei

  • Kontakt mit seiner Lebenskraft in Kontakt
  • Körperlich leben
  • Kontakt mit sich selbst und mit anderen

Entwicklungstrauma blockieren unsere Lebendigkeit

Entwicklungstraumata hindern uns daran, uns lebendig zu fühlen. Warum ist das schlimm?

Wenn wir uns lebendig fühlen, fühlen wir uns wirklich in Kontakt. Wenn wir uns in Kontakt fühlen, dann fühlen wir uns lebendig. Kontakt und Lebendigkeit bedingen sich also gegenseitig.

Menschen reagieren auf Entwicklungstrauma und Schocktrauma mit Dissoziation und Rückzug aus dem Kontakt. Das Ergebnis ist, dass sie ihre Lebenskraft herunterregeln und sich selbst mehr oder weniger aus dem Leben ausschließen. 

NARM arbeitet mit gegenwärtigen Emotionen, mit ihnen in Berührung zu sein und sie angemessen zum Ausdruck zu bringen. Es zeigt, wie Emotionen physisch und energetisch im Körper erlebt und gespürt werden. NARM unterstützt dabei, die ureigene Lebendigkeit auszudrücken. NARM unterstützt die Ausbildung der Fähigkeit zu Kontakt, Lebendigkeit und Kreativität

Menschen wollen nichts mehr, als sich lebendig fühlen.

Laurence Heller, Aline LaPierre

Wenn kann Psychotherapie schadet

Entwicklungstrauma zu heilen gelingt mit aktuellen Psychotherapien oft nicht. Warum ist das so? 

Viele psychotherapeutische Richtungen basieren auf einem medizinischen Krankheitsmodell. Im Mittelpunkt stehen die typischen Krankheitsbilder der Psyche, wie zum Beispiel Depressionen, Ängste und Persönlichkeitsstörungen. Die gängige Psychologie und Therapie konzentriert sich auf die dysfunktionalen Strukturen und verstärkt diese noch. Warum ist das hinderlich?

Wenn wir uns auf das konzentrieren, was nicht funktioniert, laufen wir Gefahr, dass wir gerade das, was nicht funktioniert, noch verstärken. Wenn wir Defizite und Schmerz in den Mittelpunkt stellen, dann werden Menschen immer besser im Erleben von Defiziten und Schmerz. Die Konzentration folgt der Aufmerksamkeit. Wenn wir die Vergangenheit in den Fokus stellen, dann werden wir immer besser in der Reflektion der Vergangenheit. Die Vorgeschichte von Menschen wird dann wichtiger als das, was sie in der Gegenwart erleben.

Deshalb brauchen wir eine therapeutische Richtung, die die Vergangenheit nicht außer Acht lässt, aber den Fokus auf die Gegenwart legt. Die Vergangenheit dient nur dazu, damit wir lernen uns selbst zu verstehen. 

Bei NARM geht es weniger um die Frage, warum die Menschen so sind wie sie sind. Es geht vielmehr darum zu verstehen, wie die Vergangenheit heutige Erfahrungen – zum Negativen – verzerren. Auf diesem Verständnis baut dann Heilung auf.

Menschen mit Entwicklungstrauma können durch ganz normale Richtungen der Psychotherapie sogar eine Retraumatisierung erfahren. Zum Beispiel wenn zu sehr mit dem Verstand gearbeitet wird und zu viel Wert auf die Vergangenheit gelegt wird.

Anerkannte Richtungen der Psychotherapie beziehen auch den Körper viel zu wenig ein. Und somatische Achtsamkeit ist absolut notwendig für Traumaintegration. Dies belegen aktuelle Forschungen der Neurobiologie.

Um Entwicklungstrauma zu heilen braucht es Achtsamkeit, Einbeziehung des Körpers, Mitgefühl und ganz viel Zeit.

Andrea Wiedel

Kontakt und Lebendigkeit sind wichtig

Bei Entwicklungstrauma hindern uns innere Barrieren daran, uns lebendig zu fühlen. Deshalb geht es bei der Heilung von Entwicklungstrauma um die Wiederherstellung eines verloren gegangen Kontakts. Wenn wir in Kontakt mit uns selbst sind, dann stillt das unsere Sehnsucht, uns durch und durch lebendig zu fühlen. Leider ist es vielen Menschen nicht bewusst, welche inneren Barriere den ersehnten Kontakt und die Lebendigkeit verhindern. Diese Barrieren entstehen als Reaktion auf zutiefst schmerzhafte Erfahrungen in der Kindheit, nämlich Entwicklungstrauma und Schocktrauma.

Wenn die Fähigkeit zu Kontakt eingeschränkt ist, dann mindert das unsere Fähigkeit zur Lebendigkeit. 

Laurence Heller, Aline LaPierre

Entwicklungstrauma heilen mit Kernbedürfnissen

Entwicklungstrauma entstehen, wenn eines oder mehrere von fünf biologisch bedingten Kernbedürfnissen nicht erfüllt ist. Nach dem Verständnis von NARM gibt es fünf biologisch bedingte Kernbedürfnisse, die für unser physisches und emotionales Wohlbefinden entscheidend sind. 

Wenn eines dieser Bedürfnisse nicht ausreichend erfüllt, dann führt dies zu psychischen und physischen Symptomen. Selbstregulation, Identität und Selbstwertgefühl geraten ins Wanken. 

Wenn die biologisch bedingten Kernbedürfnisse in der Kindheit erfüllt wurden, dann entwickeln Menschen Kernfähigkeiten. Mit diesen Kernfähigkeiten erkennen sie als Erwachsene ihre Kernbedürfnisse und können für deren Erfüllung sorgen.

Wenn Menschen auf die fünf Kernbedürfnisse eingestimmt sind, dann sind sie mit ihren tiefsten Ressourcen und ihrer tiefsten Lebensessenz in Kontakt.

Laurence Heller, Aline LaPierre

Entwicklungstrauma und die fünf Kernbedürfnisse

Entwicklungstrauma heilen: NARM beruht auf diesen fünf biologisch bedingten Lernbedürfnissen:

Kontakt

  • Fähigkeit, in Berührung mit unserem Körper und unseren Emotionen zu sein
  • Fähigkeit zu wirklichem Kontakt mit anderen

Einstimmung

  • Fähigkeit, auf eigene Bedürfnisse und Emotionen eingestimmt zu sein
  • Fähigkeit, physisch und emotional Nährendes zu erkennen, zu suchen und in sich aufzunehmen

Vertrauen

  • Fähigkeit zu einem gesunden Vertrauen in andere
  • Fähigkeit, eine gesunde, wechselseitige Abhängigkeit zuzulassen

Autonomie

  • Fähigkeit, angemessene Grenzen zu setzen
  • Fähigkeit, Nein zu sagen und klarzumachen, wie weit andere gehen dürfen
  • Fähigkeit, ohne Angst und Schuldgefühle seine Meinung zu sagen

Liebe/Sexualität

  • Fähigkeit, mit einem offenen Herzen zu leben
  • Fähigkeit, liebevolle Beziehungen und eine lebendige Sexualität miteinander zu verbinden

Innere Barrieren bei Entwicklungstrauma

Bei Entwicklungstrauma kann sich die Lebenskraft nicht entfalten. Denn die Entfaltung der Lebenskraft ist blockiert durch Energie, die in der Psyche und im Körper gespeichert ist . Diese Blockaden werden Überlebensstrukturen genannt.

Wenn wesentliche Grundbedürfnisse nicht erfüllt sind, dann müssen Kinder lernen mit der mangelhaften Umwelt irgendwie zurecht zu kommen. Deshalb bilden sie bestimmte Überlebensstrukturen aus. In der Kindheit haben diese Überlebensstrukturen das psychische Überleben gerettet. Aber im erwachsenen Alltag sind sie hinderlich. Denn der Erwachsene sieht die Umwelt  immer durch die Brille seiner Kindheit. Somit ist die Umwelt zum Negativen verzerrt.

Wenn die biologisch bedingten Kernbedürfnisse nicht erfüllt sind, dann entstehen die adaptiven Überlebensstrategien. Diese verursachen verschiedene Kernprobleme.

Kontakt-Überlebensstrategie

  • Kontaktverlust zum physischen und emotionalen Ich
  • Probleme mit Kontakt zu anderen

Einstimmungs-Überlebensstrategie

  • Probleme damit, zu wissen, was wir brauchen
  • Das Gefühl, das unsere Bedürfnisse es nicht verdienen, erfüllt zu werden

Vertrauens-Überlebensstrategie

  • Das Gefühl, uns auf niemanden außer uns selbst verlassen zu können
  • Das Gefühl, immer die Kontrolle behalten zu wollen

Autonomie-Überlebensstrategie

  • Sich belastet und unter Druck zu fühlen
  • Probleme, Grenzen zu setzen und Nein zu sagen

Liebe/Sexualität-Überlebensstrategie

  • Probleme, Herz und Sexualität zu integrieren
  • Selbstwertgefühl auf Basis von Aussehen und Leistung

Entwicklungstrauma und das Bedürfnis Einstimmung

Am Beispiel des nicht erfüllten Kernbedürfnisses Einstimmung zeige ich, wie die die adaptive Überlebensstruktur entsteht.

Ein Kind ist in den ersten zwei Lebensjahren darauf angewiesen, dass seine Bezugspersonen seine Bedürfnisse erkennen und erfüllen. Selbstregulation erlernt das Kind über die Bindungsbeziehung zur Mutter. Es ist völlig von ihrer Fürsorge abhängig. Genährt und reguliert wird das Kind durch Gestilltwerden, Hautkontakt, Berührung und Geborgenheit, wenn es im Arm gehalten wird. 

Was passiert, wenn diese Bedürfnisse nicht erfüllt werden? Wenn das Baby zu wenig Nahrung und Fürsorge erfährt, dann verliert es das Gespür für die eigenen Bedürfnisse. Es sucht Strategien, um sein akut bedrohtes Leben zu schützen. Die Überlebensstruktur baut sich in drei Phasen auf:

  • Bedürfnisse einschränken
  • Bedürfnisse ignorieren
  • sich von seinen Bedürfnissen abschneiden

Adaptive Überlebensstrukturen waren in der Vergangenheit lebensrettend. Aber in der Gegenwart verhindern sie ein erfülltes Leben voller Lebendigkeit und Kontakt. Obwohl das Kind längst erwachsen ist und selbst für die Erfüllung seiner Bedürfnisse sorgen kann, hindern innere Barrieren daran. Im Inneren ist die Überzeugung manifestiert, dass die Welt ein feindlicher Ort ist. Diese Überzeugung hindert den Erwachsenen daran, bei kleinsten Irritationen nicht mehr daran zu glauben, dass seine Bedürfnisse erfüllt werden.

Die meisten psychischen und viele physische Probleme beruhen auf einem Verlust der Fähigkeit, mit sich selbst und mit anderen in Kontakt zu sein.

Laurence Heller, Aline LaPierre

Entwicklungstrauma und Selbstregulation

Entwicklungstrauma heilen bedeutet wieder fähig zur Selbstregulation sein. Was passiert, wenn eines oder mehrere der biologisch bedingten Kernbedürfnisse in der Kindheit nicht erfüllt wurden? 

Wenn diese Bedürfnisse in der Kindheit in großem Maße nicht erfüllt werden, dann kommt es zur Ausbildung von Überlebensstrategien. Mit Hilfe dieser Überlebensstrukturen gehen Kinder mit der mangelnden Bedürfniserfüllung, der fehlenden Bindung und der Isolation um. 

Überlebensstrukturen führen zu einer mangelhaften Fähigkeit der Selbstregulation. 

Was ist Selbstregulation? Selbstregulation bezieht sich auf zwei Bereiche, nämlich auf den Körper und auf die Emotionen. Körperliche Selbstregulation bedeutet, dass wir schlafen können, wenn wir müde sind und gesunde Möglichkeiten haben, um Stress abzubauen. Emotionale Selbstregulation bzw. Affektregulierung bedeutet, dass wir mit starken Gefühlen wie Trauer, Freude, Wut und Angst umgehen können. 

Was passiert, wenn die Fähigkeit zur Selbstregulation zu wenig ausgeprägt ist? Wenn Menschen zu wenig Fähigkeiten in der Selbstregulierung besitzen, dann hat das destabilisierende Wirkung und das Leben wird zum Kampf. 

Süchte sind oft ein Mittel, um sich selbst zu regulieren. Entwicklungstrauma haben also verheerende Auswirkungen und weitreichende Folgen für Körper und Psyche.

Deshalb steht an oberster Stelle die Arbeit an der Selbstregulation. Dies ist wichtiger als theoretische Reflexion, also zum Beispiel das Auflösen von Glaubenssätzen.

NARM hilft Klienten, heftigen Emotionen in sich Raum zu geben ohne sie an ihrer Umgebung aus zu agieren, gegen sich selbst zu richten oder zu unterdrücken. Emotionen werden im eigenen Inneren gehalten und integriert. Dies wird In-sich-Halten (Containment) genannt. Präsenz und Containment erhöhen die Resilienz des Nervensystems und die Entwicklung emotionaler Tiefe.

Psychische Symptome sind ein Zeichen, dass wir von unserer Lebendigkeit abgeschnitten sind. 

Laurence Heller, Aline LaPierre

Trauma und Physiologie

Auf 50 Seiten werden im Kapitel “Physiologie und Trauma” erklärt, wie Trauma unser Nervensystem beeinflusst. Es nimmt auf wesentliche Theorien der Neurobiologie Bezug.

Viele psychische und somatische Krankheiten können auf einem Entwicklungstrauma liegen.

Laurence Heller, Aline LaPierre

Entwicklungstrauma heilen: Resümee

“Entwicklungstrauma heilen” ist für mich zur Bibel geworden. Ich habe schon viel über dieses Thema gelesen, aber das ist das erste Buch, in dem wirklich alles drin steht – und zwar verständlich.

Es wird Kritik geübt am defizitorientierten Modell der gängigen Psychologie und Psychotherapie. Dies gefällt mir, da die gängigen diagnose orientierten Modell nicht mehr zeitgemäß sind und den aktuellen Forschungsergebnissen der Neurobiologie widersprechen. Außerdem gefallen mir die zahlreichen Tabellen und Übersichten, die wesentlich zur Verständlichkeit beitragen.

Wesentliche neurobiologische Theorien rund um Entwicklungstrauma, Selbstwertgefühl, Bindungstheorie und Selbstregulation werden komprimiert und absolut verständlich erklärt. Ein großes Lob an die Übersetzerin Silvia Autenrieth, die das Buch aus dem amerikanischen Englisch übersetzt hat. Manchmal finde ich die Sprache etwas holprig, wenn Fachbücher aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt werden. An keiner Stelle merkt man, dass es sich um eine Übersetzung handelt.

Die Mitschriften aus drei Therapie-Prozessen mit Klientinnen der Autoren (Carola, Emma und Paul) zeigen den Leserinnen praxisnah, wie die Anwendung in der Praxis funktioniert. 

Inhaltlich stimme ich mit den Aussagen von “Entwicklungstrauma heilen” und NARM hundertprozentig überein. Meine Methode “Emotionale Wunden heilen mit Tiefer Empathie” beruht auf denselben Prinzipien und denselben theoretischen Grundlagen. Einbeziehung des Körpers, Entschleunigung, Augenhöhe, Containment von Gefühlen, somatische Achtsamkeit, Empathie und Achtsamkeit.

Die Integration von Entwicklungstrauma ist ohne Einbeziehung des Körpers nicht möglich.

Andrea Wiedel

Entwicklungstrauma heilen: Buchtipp

“Entwicklungstrauma heilen” ist ein Muss für alle Menschen, die im Bereich Psychologie und Psychotherapie arbeiten. Meiner Erfahrung nach wissen noch viel zu wenig Fachleute über die Zusammenhänge und Wirkung von Entwicklungstrauma. Dabei wird im Jahr 2022 die komplexe PTBS in die offizielle Liste der Krankheiten ICD-11 aufgenommen. Hierfür reichen meines Erachtens die Kapitel des ersten Teils und des ersten Kapitel des zweiten Teils “Physiologie und Trauma”, also lediglich 150 von 400 Seiten.

“Entwicklungstrauma heilen” ist ebenfalls sehr hilfreich für betroffene Menschen. Denn allein wenn man sich besser versteht, warum man so ist, wie man ist, trägt das zur Entlastung bei. Auf dieser Basis und mit dem Wissen um Neurobiologie können sie dann wirksame Therapien für sich finden und unwirksame meiden.

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