Wenn die Vaterliebe fehlt

Vater mit 4-jährigem Kind an der Hand auf einem Steg vor dem MeerKindheitstrauma_Fehlende Vaterliebe (c) ddimitrova/Pixabay

Kindheitstrauma: Fehlende Vaterliebe reißt tiefe emotionale Wunden in die Seele des verlassenen Kindes. Dabei ist es heute ganz normal, dass Kinder ohne Vater aufwachsen. Alleinerziehende Mütter kümmern sich mit aller Kraft und Liebe um ihre Kinder. Wenn mit den Kindern etwas nicht stimmt, ist der Fokus von Kindergarten, Schule und Jugendamt stets auf die Mutter gerichtet. An ihr wird herumgedoktert. Sie steht im Kreuzfeuer der Kritik. Sie liebt ihre Kinder und übernimmt alle Verantwortung. 

Alle Welt nimmt es kommentarlos hin, wenn der Vater abwesend ist – wie ein Makel, über den man nicht spricht. Dabei steht der Elefant im Raum. Nur keiner sieht hin.

Fehlende Väter reißen tiefe Wunden in die kindliche Seele. Mit ihrer Abwesenheit ziehen sie sich nicht aus der Affäre, sondern verursachen großen emotionalen Schmerz.

Genau das zeigt die Systemische Aufstellung mit Christine.

Das verlassene Kind lebt meist bei der Mutter

Christine ist von Anfang an alleinerziehende Mutter einer mittlerweile 15-jährigen Tochter Annika. Der Vater von Annika hat sich schon vor ihrer Geburt verdünnisiert und bis heute besteht kein Kontakt. 

Christine kommt mit folgendem Problem ins Coaching: 

Ich komme mit der Unordnung meiner Tochter nicht mehr zu Recht. Ich weiß, dass es in der Pubertät chaotisch werden kann. Aber ich halte es einfach nicht mehr aus. Ich versuche es immer schön und gemütlich zu machen. Aber der Dreck und das Chaos von Annika überwältigen mich.

Ich hatte schon ein paar Mal mit Christina mit Coaching mit Empathie gearbeitet, ein tiefes empathisches Zuhören. Es hat auch schon mehr Leichtigkeit gebracht. 

Doch Christine machte das Thema Unordnung immer wieder mal zum Thema für ein Coaching. Deshalb habe ich beschlossen, eine Systemische Aufstellung zu machen.

Alleinerziehend ist eine große Herausforderung

Ich bat Christine, sich für ihr Anliegen drei Begriffe zu überlegen. Nach kurzem Nachdenken fand Christine diese Worte:

ANNIKA

ORDNUNG

LEBENDIGKEIT

Christine wählte LEBENDIGKEIT, weil sie das Gefühl hatte, durch die Last des Alleinerziehend seins, der Doppelbelastung und der finanziellen Sorgen, keinen Raum für Lebendigkeit zu haben (was ich gut nachvollziehen konnte) – und dass die Lebendigkeit auch in dem Zusammenleben mit ihrer Tochter Annika verloren gegangen war.

Ich schrieb diese 3 Begriffe auf leere Blätter, die als sogenannte Bodenanker dienten. Und auf ein viertes Blatt schrieb ich den Namen von CHRISTINE.


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Alleinerziehend Sein ist anstrengend

Ich hielt Christine die Bodenanker mit der Schrift nach unten hin und bat sie: Bitte lege die Karten so im Raum hin, wie du es intuitiv fühlst. Nicht groß nachdenken, einfach so hinlegen, wie es sich für dich richtig anfühlt.

Das war relativ schnell geschehen.

Dann bat ich Christine, sich auf die Bodenanker zu stellen und zu spüren, wie es sich anfühlte.

Für Christine fühlten sich alle Bodenanker relativ normal an und sie war etwas ratlos. Doch auf dem letzten Bodenanker begann sie sich vor Schmerz und Ekel zusammen zu krümmen. Augenblicklich begann sie hemmungslos zu weinen.

Ich fragte Christine: „Was denkst du, auf welcher Karte stehst du?“

Christine riet: „Ich glaube, es ist meine Tochter Annika. Oder die Lebendigkeit.“

Christine hatte ein schlechtes Gewissen ihrer Tochter gegenüber und sie vermutete auch, dass es Annika nicht besonders gut gehe.

Umso überraschter war Christine, als sie den Bodenanker umdrehte. Sie stand auf ihrer eigenen Karte.

„Wow! Das ist ja meine Karte“, stammelte sie total überrascht. Sie hatte nicht vermutet, dass es ihr so schlecht gehe. 

„Kein Wunder, dass ich zur Zeit nichts auf die Reihe kriege!“

Christine entwickelte Verständnis für sich selbst. Es zeigte sich deutlich: Christine litt unter der Situation fürchterlich.

Das war der erste Lerneffekt für Christine.

Fehlende Vaterliebe ist unsichtbar

Dann bat ich Christine, sich abwechselnd auf die Bodenanker zu stellen, hinzuspüren und für jeden Bodenanker einen Platz zu finden, der sich stimmig anfühlt.

die LEBENDIGKEIT verabschiedete sich. Sie legte sich etwas Abseits, aber ohne dass es ihr schlecht ging. Sie wurde halt gerade nicht gebraucht.

Die anderen Bodenanker lagen in einer Reihe:

ANNIKA lag links an der Tür

Die ORDNUNG lag auf der gegenüberliegenden Wand am Fenster

CHRISTINE lag zwischen ANNIKA und ORDNUNG

Kindheitstrauma_Fehlende Vaterliebe_Aufstellung 01

Alleinerziehende Mütter und Ordnung

Die ORDNUNG lehnte leger an der Wand und hatte den Blick leer auf die Tapete fixiert.

ANNIKA ging es ganz gut.

Nur CHRISTINE fühlte sich hin und her gerissen:

Ich fragte sie, ob sie eine Idee habe, warum sie zwischen Annika und der Ordnung stehe.

Christine antwortete: „Ich will Annika vor der Ordnung schützen. Das fühle ich deutlich.“

Sie schaute mich fragend an: „Aber das ist ja eigentlich total schizophren zu meinem Leben. Da will ich, dass Annika Ordnung hält. Da will ich, dass Annika und Ordnung zueinander finden.“

„Das ist spannend“, sagte ich. „Für was könnte die Ordnung stehen?“

Christine erwog mehrere Alternativen: strenge Lehrer, die eigene penible Mutter – aber alle Ideen verwarf sie. 

Christine hatte noch eine Idee: Ich schütze Annika auch vor der Ordnung, wenn die Lehrer aus ihrem System heraus feindselig auf Annika losgingen. Da war Christine wie eine Löwenmutter. 

Ich verwarf meine Hypothese, dass ORDNUNG für etwas anderes stehen würde. Vielleicht stand die ORDNUNG wirklich nur für Ordnung.

Der abwesende Vater bringt Unordnung ins System

CHRISTINE hätte gern ihren Platz zwischen ANNIKA und ORDNUNG verlassen. Sie ging nach draußen, aber draußen hielt sie es nicht aus. Also ging sie wieder an den ursprünglichen Platz.

Sie hätte gern ANNIKA zur Ordnung geschoben. Aber das geht nicht. In Aufstellungen dürfen sich nur die Stellvertreter selbst bewegen. Man darf nicht einfach einen anderen Stellvertreter irgendwo hin schieben.

Ich bat Christine zur ORDNUNG zu sagen:

ich brauche dich, aber ich will dich nicht.

Die ORDNUNG spürte eine gewisse Feindseligkeit gegenüber ANNIKA. Als ob sie ein Vampir sei, die alle, auch Annika, auffressen könnte. CHRISTINE baute sich breitbeinig auf, um ANNIKA vor der ORDNUNG zu schützen.

CHRISTINE war genau in der Schusslinie ANNIKA – ORDNUNG. Aber CHRISTINE hielt es nicht aus, aus dieser Schusslinie rauszugehen.

Wenn der Vater fehlt braucht es Unterstützung

Ich stellte CHRISTINE  eine gute Kraft an ihre Seite, indem ich ein weiteres Blatt nahm und darauf „GUTE KRAFT“ schrieb. Die „GUTE KRAFT“ legte ich neben dem Bodenanker von CHRISTINE. Endlich konnte sie zusammen mit der GUTEN KRAFT aus der Schusslinie gehen. ANNIKA und die ORDNUNG standen nun mit großem Abstand gegenüber.

ANNIKA fühlte: Ich bin überfordert. Die Ordnung ist viel zu bedrohlich. Ich weiß nicht, was ich machen soll.

Deshalb stellte ich ANNIKA auch einen Bodenanker GUTE KRAFT an die Seite.

Kindheitstrauma: Fehlende Vaterliebe tut weh

Christine stand also auf dem Bodenanker von ANNIKA. Ich bat sie, einfach nur zu spüren.

Und auf einmal ist es aus Christine alias ANNIKA herausgeplatzt:

ANTON will Annika nicht und hat sie nie gewollt. Und CHRISTINE will ANNIKA vor dem Schmerz des nicht-gewollt-seins schützen. Christine versucht die ganze Zeit, Annika die Liebe zu geben, die sie vom fehlenden Vater nicht bekommt. 

Solange Christine im Scheinwerferlicht der Aufmerksamkeit stehe, sieht keiner den fehlenden Vater. Da steht ein Elefant im Raum und keiner sieht ihn. Keiner. Ich nicht. Annika nicht. Das wohlmeinende Umfeld nicht. Das Unterstützungssystem nicht. 

Da kamen die Tränen. Christine in der Rolle der ANNIKA weinte bitterlich und schimpfte zornig: ER will mich nicht und DU schimpfst die ganze Zeit.

Unordnung als Symptom. Annika zeigt durch ihre Unordnung, dass etwas in ihrem Leben nicht in Ordnung ist. Ihr Leben ist tatsächlich nicht in Ordnung, weil in der familiären Ordnung einer fehlt, nämlich der Vater, ihr Vater.

Kindheitstrauma_Fehlende Vaterliebe 02

Mutterliebe kann fehlende Vaterliebe nicht ersetzen

Ich ließ CHRISTINE zu ANNIKA sagen: Ich habe dich gewollt. Ich habe dich immer gewollt, so wie du bist. Und wenn ich geschimpft habe, dann weil ich überfordert war mit allem. Ich will dich schützen vor dem Schmerz, nicht gewollt zu sein. Aber das kann ich nicht. Ich kann die Realität, dass dich dein Vater nicht gewollt hat und will, nicht ändern. Und das tut auch mir als Mutter weh. 

CHRISTINE weinte.

Christine konnte mit dem Gefühl des nicht-gewollt-seins gut in Resonanz gehen. Denn auch Christine war von einem Elternteil nicht gewollt gewesen. Auch Christine war ein verlassenes Kind. Deshalb hätte sie alles getan, um ihrer Tochter Annika, den Schmerz und das Leid des verlassenen Kindes zu ersparen.

Fehlende Vaterliebe verursacht emotionalen Schmerz

Wenn die Liebe des Vaters fehlt, dann führt das zu tiefem emotionalen Schmerz. Zwischen den Gefühlen Schmerz und Trauer ist ein Unterschied.

Hier ist eine Liste mit angenehmen und unangenehmen Gefühlen.

Wenn der Vater gestorben wäre, dann wäre er auch „nicht da“ gewesen. Aber dann hätten Christine und Annika um ihn trauern können.

Da aber der Vater lebt und Annika nicht will, geht es um Schmerz. Es ist der Schmerz des nicht gewollt-sein, des nicht-geliebt seins. Der seelische Schmerz des verlassenen Kindes.

Auch ich war lange Jahre alleinerziehend mit einem abwesenden Vater. Und ich habe schon immer gewusst und gespürt, dass alleinerziehend nicht alleinerziehend ist. Auch als ich noch als Juristin tätig war und für Persönlichkeitsentwicklung und Psychologie keine Zeit hatte.

Wenn der Vater noch da ist, und in irgendeiner Weise seine Verantwortung als Vater wahrnimmt und den Kontakt zu seinen Kindern hält, dann ist das energetisch etwas ganz anderes. 

Den fehlenden Vater ins System holen

Der fehlende Vater muss sichtbar werden. Der abwesende Vater muss ins System geholt werden.

Deshalb habe ich neben die ORDNUNG einen Bodenanker für den Vater von Annika gelegt, ANTON.

Und als ANTON beim Fenster lag, konnte die ORDNUNG auf ANNIKA zugehen. Es war auf einmal alles ganz einfach.

Sie haben einen Kreis gebildet: ANNIKA – ORDNUNG – CHRISTINE – GUTE KRAFT CHRISTINE – GUTE KRAFT ANNIKA

Die ORDNUNG fand ihren Platz zwischen ANNIKA und CHRISTINE

ANNIKA fand ihren Platz zwischen der ORDNUNG und ihrer GUTEN KRAFT

CHRISTINE fand ihren Platz zwischen ORDNUNG und ihrer GUTEN KRAFT

Die beiden guten Kräfte lagen nebeneinander. Vielleicht hatten sie sich ja was zu sagen.

Und dann kam noch die LEBENDIGKEIT dazu und legte sich in die Mitte des Kreises – wie eine Blume mit fünf Blütenblättern.

In der Ferne und für alle sichtbar ANTON. Fern aber sichtbar.

Fehlende Vaterliebe Wirkungen

Die Aufstellung von Christine hatte auch für mich einen Lerneffekt:

Wie groß ist das Loch und wie tief der Schmerz, den ein abwesender Vater in das familiäre System reißt.

Und auf einmal wird es auch ganz klar, wenn man auf der systemischen Ebene die Unordnung als Symptom betrachtet

ANNIKA ist unordentlich, weil sie darauf aufmerksam machen will, dass in ihrem Leben etwas nicht in Ordnung ist

Christine versucht das Symptom zu bekämpfen und je mehr sie gegen die Unordnung kämpft, desto schlimmer wird das Symptom Unordnung.

Christine hat vielleicht Ordnung und Gemütlichkeit so gern, um von der Unordnung abzulenken.

Der abwesende Vater steht im Raum wie ein Elefant, aber keiner spricht darüber.

Es ist ja auch so selbstverständlich, dass Kinder bei ihrer Mutter aufwachsen.

Gerade die alleinerziehende Mutter steht im Fokus des Hilfesystems, wird argwöhnisch vom Jugendamt beäugt. Alle Welt tut so, als ob es normal ist. Dass da ein Elternteil fehlt. 

Und Christine hat wie viele Mütter – aus Liebe zu ihrer Tochter – die Verantwortung übernommen, wollte den fehlenden Vater ersetzen und wäre unter der Verantwortung fast zerbrochen.

Alleinerziehende Mütter sind toll

Christine ging erschüttert und doch tief berührt nach Hause. Ihr ist klar geworden, dass sie mit Annika auch gar nicht über den unsichtbaren, fehlenden Vater Anton sprach. Er war auch aus ihrem Leben wie weggewischt. Als ob es ich nicht gegeben hätte.

Christine nahm sich vor, den Vater immer wieder mal ins Gespräch einfließen zu lassen.

Ich bin neugierig, welche Änderungen diese Aufstellung im Leben von Christine bringen wird.

Das ganze System kommt ins Wanken, wenn sich ein Elternteil komplett aus der Verantwortung zieht. Und zwar sowohl für das übrige Elternteil (meistens die Mutter) als auch für das Kind.

Deshalb braucht es Unterstützung von außen und die Auseinandersetzung mit den Gefühlen.


Coaching mit Empathie kann dir helfen

  • als überlastete und sorgenvolle Mutter
  • als verlassenes Kind, das den Schmerz nicht fühlen will
  • als Erwachsener, um alte Kindheitswunden zu heilen

Übrigens: Coaching mit Empathie geht auch am Telefon!

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