Kollektives Trauma heilen: Buchtipp

rosa Blüte in Nahaufnahme mit TautropfenKollektives Trauma heilen

„Wunderheiler“ Thomas Hübl

„Kollektives Trauma heilen“ von Thomas Hübl war ein Buchtipp von einer Freundin. Angesprochen hat mich das Buch von seinem Cover überhaupt nicht: ein bärtiger Typ, der selbstbewusst, wenn auch sympathisch, in die Kamera lächelt. Als ich dann gelesen habe, dass er sich auch noch selbst als “moderner Mystiker” bezeichnet, habe ich gedacht: “Wieder so ein selbsternannter Guru, der meint die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Wieder einer, der der Menschheit verkündet, wie sie glücklich werden kann – und sich das teuer bezahlen lässt.” 

Dann kommt er daher, nimmt große Autoren und Denker wie Ken Wilber und Otto Scharmer in den Mund. Und behauptet, er könne kollektive Traumata heilen. 

Thomas Hübl hat sein Medizinstudium an den Nagel gehängt, um sich der Meditation zu widmen. Dies hat mein Klischee vollends bestätigt.

Kurzum: Meine Vorurteile, mein Misstrauen und meine Skepsis waren rießengroß, als ich das Buch in die Hand nahm.

Das Wesen der Traumatisierung

Doch schon nach den ersten Seiten kam die Wende: nicht nur, dass Thomas Hübl alle einschlägige Forschung zum Thema Trauma präsentierte. Er fasste die wesentlichen Inhalte der aktuellen Wissenschaft mit wenigen Worten zusammen. So gekonnt, dass ich zum ersten Mal meinen Bleistift zückte, um Formulierungen zu unterstreichen und Randbemerkungen zu machen.

Wohlgemerkt: bis dahin las ich nichts neues, aber immerhin wusste ich, dass Thomas Hübl nicht ein dahergelaufener Guru war, sondern dass das, was er sagte, Hand und Fuß hatte. Und man musste die Dinge um individuelle Traumatisierungen verstanden haben, um sie mit wenigen Worten zusammen fassen und auf den Punkt bringen zu können. Offensichtlich hatte Thomas Hübl nicht nur meditiert, sondern sich auch theoretisch und praktisch mit der Materie Trauma auseinandergesetzt – und es verstanden. Meine Neugier und mein Interesse waren geweckt.

Trauma macht eng und klein, es legt Teile des physischen, emotionalen und mentalen Körpers lam. Deshalb leiden traumatisierte Menschen oft unter Energiemangel, Antriebslosigkeit, Depressionen und dem Gefühl, von anderen Menschen getrennt oder abgekoppelt zu sein.

Thomas Hübl: Kollektives Trauma heilen, Seite 190

Kollektives Trauma – Was ist das

Dann erklärte Thomas Hübl Kollektives Trauma. Ich kannte bereits den Begriff, wusste aber nicht im Detail um seine wirkliche Bedeutung. Er erklärte es sehr schön, so dass ich es verstand. Und mir ging ein Licht auf, welche Bedeutung kollektive Traumatisierungen für individuelle Traumata und für die Menschheit haben.

Man unterscheidet transgenerationale Traumatisierungen und historische Traumatisierungen.

Transgenerationale Traumata

Transgenerationale Traumata sind Traumatisierungen, die von einer Generation auf die andere übertragen werden. 

Dies kann auf zwei Weisen geschehen:

Zum einen dadurch, dass traumatisierte Eltern für ihre Kinder nicht als Eltern präsent, anwesend, empathisch sein können, wie es die Kinder bräuchten. Und durch den Mangel an “Elterneigenschaft” durch die Erziehung wird wieder ein Trauma bei den Kindern auslösen.

Zum anderen im Wege der Epigenetik. Das heißt, Traumaerfahrungen werden in den Genen gespeichert und werden über die Gene auf jüngere Generationen übertragen. Und zwar nicht nur auf die nachfolgende Generation, sondern immer weiter. 

Diese Übertragung gilt für individuelle Traumatisierungen (Gewalt, Vernachlässigung, als Verbrechen oder Kindheitstrauma) und für kollektive Traumatisierungen (siehe weiter unten).

Kollektive Traumata

Kollektives Trauma meint aber in erster Linie Historische Traumatisierungen, also Traumatisierungen auf gesellschaftlicher Ebene. 

Zum Beispiel:

  • Menschen aus Afrika holen und sie in Amerika als Sklaven halten
  • die Art und Weise wie Sklaven in Amerika gehalten worden sind
  • Lynchmorde
  • die Weltkriege
  • die Teilung von Deutschland in Ost und West
  • die Vertreibung der Ureinwohner Amerikas

Jeder braucht Liebe. Liebe ist das, was heilt.

Patrick Dougherty in Thomas Hübl: Kollektives Trauma heilen, Seite 174

Kollektives Trauma: Anpassungsleistungen

Traumatisierungen führen zu Anpassungsleistungen. Dies ist bei individuellen Traumata aber auch bei kollektiven Traumata der Fall. 

Eine typische Anpassungsleistung für kollektives Trauma:

In Amerika hielten die weißen Sklavenhalter die Sklaven sehr streng. Sie wussten, dass es zu Aufständen kommen würde, wenn sich die Sklaven miteinander gut verstanden und eventuell verbündeten. Deshalb sorgten sie unter den Sklaven für Isolation, Feindseligkeit und Beziehungslosigkeit. Zum Beispiel wurden verheiratete Sklaven voneinander getrennt und auch die Kinder von ihren Eltern. Wenn die Sklavenhalter eine zu große Bindung zwischen Eltern und Kind sahen, dann wurden das Kind auf eine andere Plantage verkauft. Einfach so. Die Eltern sahen ihr Kind nie wieder.

Deshalb redeten Eltern ihre Kinder schlecht. Um zu verhindern, dass der Sklavenhalter dachte, sie wären “wertvoll” oder es gäbe eine starke Bindung. Außerdem bestraften sie ihre Kinder sehr hart, um zu vermeiden, dass sie durch den Sklavenhalter noch härter bestraft würden – was durchaus tödlich für die Kinder enden konnte. 

Also lernten Sklaven, die Liebe zu ihren Kindern gut zu verbergen. Das Schlechtreden der Kinder und die harten Strafen waren Anpassungsleistungen an die Lebenssituation in der Sklaverei – und damals sehr sinnvolle Überlebensstrategien. 

Allerdings gibt es diese beiden Strategien immer noch in der farbigen Bevölkerung – obwohl sie jetzt nicht mehr sinnvoll sind, sondern gegen die liebevolle Natur ist und eher emotionalen Schaden führen. Diese ehemaligen Anpassungsleistungen gehören mittlerweile zum “Kultur” der farbigen Bevölkerung.

Trauma begrenzt den Strom höherer Energie durch das Nervensystem, es schädigt und verzögert seine Entwicklung.

Thomas Hübl: Kollektives Trauma heilen, Seite 228

Kindheitstrauma und Anpassung

Dasselbe gilt für Kindheitstrauma, Entwicklungstrauma und alle anderen individuellen Traumata: Ehemals sinnvolle Anpassungsleistungen bei einer schwierigen Kindheit, sind als Erwachsene nicht mehr sinnvoll, sondern schädigen die Lebensführung und werden trotzdem aufrecht erhalten, weil sie so einfach nicht verlernt werden können.

Anpassungsleistungen waren einst sinnvoll, aber sie hindern dich jetzt an einem erfüllten Leben und Beziehungsfähigkeit.

Andrea Wiedel

Hast Du blockierte Lebensenergie oder lebst Dein Leben mit angezogener Handbremse. Auch das können Symptome von individuellen oder kollektiven Trauma sein. Ich biete einen Prozess zu Integration von emotionalen Wunden an. Hier gehts zur Info!

Trauma und Wiederholungszwang

Bei Traumata gibt es den Wiederholungszwang. Auch Kollektive Traumatisierungen müssen sich auf gesellschaftlicher Ebene immer wieder wiederholen, bis sie nicht integriert werden. 

Der Haß der weißen Bevölkerung auf die farbige Bevölkerung, warum farbige Menschen von weißen Polizisten immer noch so schlimm behandelt werden, ist zum Beispiel eine Wiederholung des alten Sklaven-Traumas.

Das es nicht aufgelöst ist auf kollektiver Ebene, muss es kollektiv immer wieder wiederholt werden. Die Täter von damals (die weißen) können ihre Schuld nicht eingestehen und projizieren sie deshalb nach außen. Das Theaterstück von Täter-Opfer wiederholt sich immer wieder und richtet Schaden an und führt zu neuen Traumata.

Für mich klingt das absolut sinnvoll. Thomas Hübl bringt etliche Beispiele, die das Thema Kollektive Traumatisierung absolut klar, verständlich und anschaulich erklärt. Wie löst er jetzt die kollektiven Traumata auf?

Nach der Traumatisierung projizieren wir die Vergangenheit in die Zukunft, sodass unser Morgen nicht in erster Linie von Entwicklung und Erneuerung geprägt ist, sondern vor allem von dem Bemühen das Geschehene zu verarbeiten und zu integrieren (Wiederholungszwang). Authentische, wirklich neue Zukunft ist etwas anderes.

Thomas Hübl: Kollektives Trauma heilen, Seite 106

Kollektives Trauma integrieren

Thomas Hübl beschreibt den Prozess, den er entwickelt hat. Und was soll ich sagen? Die Parameter, die er entwickelt hat, stimmen zu 100% mit den Parametern überein, die ich aus dem Coaching mit individuellen Traumata kenne. 

Es geht im Wesentlichen darum, einen Raum zu halten, in dem sich der Schmerz und die verdrängten Gefühle zeigen können. Prozessbegleiter müssen achtsam sein, denn die Gefühle des Traumas sollen/dürfen aufsteigen, aber dürfen nicht überfluten. Es geht um viel blockierte Energie, die sich lösen will. Um das (wieder) Anknüpfen an eine höhere Weisheit, an die Lebensenergie. Traumata lassen sich nicht auf der Ebene des Verstandes lösen, sondern müssen gefühlt werden. Verstehen ist notwendig, aber nicht ausreichend.

Hier findest du eine Geführte Meditation zur Entwicklung von Selbstmitgefühl. So kannst du selbst etwas zu deiner Traumaintegration beitragen.

Trauma hebt die zwischenmenschliche Verbundenheit auf, es beschädigt unsere Fähigkeit, anderen zu vertrauen und uns mit ihnen verbunden zu fühlen.

Unter Trauma leidet unsere Resilienz oder Widerstandskraft, sodass wir anfällig für weitere Traumatisierungen werden, zu denen es leicht kommt, wenn unsere Beziehungen bereits Schaden erlitten haben.

Thomas Hübl: Kollektives Trauma heilen, Seite 68

Traumata blockieren Lebensenergie

Ein Trauma blockiert unsere Lebensenergien – egal ob kollektives Trauma oder Kindheitstrauma. Wenn unsere Person ein Haus ist, dann sind Traumata dunkle Räume, in denen die Fenster nie geöffnet werden: Zimmer, in denen kein Licht und keine Luft einströmt und die Energie nicht frei fließen kann. Wie sich das anfühlt, können wir uns alle vorstellen, wenn wir an muffige, dunkle Räume denken, in denen die Luft steht.

Traumaintegration öffnet die Fenster und lässt Licht herein. Dann kann unsere Lebensenergie wieder fließen. Das beschreibt Thomas Hübl von seiner Arbeit mit kollektiven Trauma. Und ich kenne das von meinem Trauma-Coaching mit Einzelpersonen.

Man muss mit den Leuten erst einmal ganz entspannt umgehen, um eine echte Verbindung zu schaffen. Heilung setzt ein, wenn Beziehung wirklich gefühlt wird. Das ist eine Erfahrung des Gehaltenseins, die ist so gewaltig, dass sich das auf unsere Neurobiologie auswirkt.

Patrick Dougherty in Thomas Hübl: Kollektives Trauma heilen, Seite 173

Coaching mit Empathie bietet dir die Möglichkeit, deine emotionalen Wunden der Vergangenheit zu integrieren. Ich schaffe den emotionalen Raum und bin für dich da. Auch so kannst du zu mehr Lebensfreude, Glück und Beziehungsfähigkeit für Dich beitragen. Coaching mit Empathie geht einfach, unkompliziert und höchst wirkungsvoll am Telefon.

Folgen von Traumata

Wir leben in einer traumatisierten Gesellschaft. Traumatisierung, Beziehungslosigkeit und Getrennt sein ist völlig “normal”. Meist merken wir nicht einmal, wie sehr wir unter Beziehungslosigkeit und getrenntsein von unserem Wesen und an Mangel an Lebensfreude leiden. Kollektive Traumata blockieren kollektive Lebensenergie und somit auf kollektiver Ebene die Fähigkeit zu Innovationen und Kreativität.

Zum Beispiel ist es auf kollektiver Ebene zwar normal, aber nicht gesund, wie privilegierte Menschen weniger privilegierte ausbeuten, wie wir mit Tieren umgehen und wie wir unsere Umwelt behandeln.

Kollektives Trauma heilen im Prozess

Thomas Hübl hat einen Prozess entwickelt, mit dem er kollektive Trauma heilen kann. 

Als Prozessbegleiter kann er nie im Voraus sagen, welche kollektiven Trauma sich zeigen. Er gestaltet ein kohärentes Feld in der Gruppe, das den emotionalen Raum hält und Strukturen schafft. Dies ermöglicht, dass sich kollektive Traumata zeigen. Bei seinem Prozess geht es um Kohärenz, Verbundensein, fühlen und verstehen auf einer höheren Ebene. Wesentlich sind Beziehung und Verbundenheit, um ein Trauma zu integrieren. 

Ich kenne den Prozess von Thomas Hübl nicht. Aber er klingt mit all dem, was ich von Traumaintegration aus meiner Arbeit als Coach kenne, absolut plausibel und wirksam. Er muss nicht nur das Wissen um die Dinge haben, sondern auch diese gewisse Art zu Spüren und Erkennen, die man vermutlich nur aufgrund von Meditation erreicht.

Mittlerweile las ich Kollektive Trauma heilen nicht nur voller Begeisterung und mit gezücktem Bleistift. für Markierungen. Sondern ich spürte auch, wie mich das Lesen in Berührung brachte mit meinen eigenen Kindheitstraumata und emotionalen Wunden. Ich erinnerte mich an die blockierte Lebensenergie, die ich bei mir und bei meinen Klientinnen erlebe.


Coaching mit Empathie ist ein individueller Prozess zur Integration von emotionalen Wunden und Kindheitstraumata. Als Prozessbegleiterin gebe ich den anderen Raum, zum Spüren, zum Fühlen und zum „Heilen“. Auch ich weiß nie im Voraus, welche Themen sich zeigen. Ich halte mit dir den Raum, schaffe Struktur und bin für dich da. Ich vertraue auf die innere Weisheit deiner Seele. Coaching mit Empathie geht auch am Telefon.

Kollektives Trauma heilen – Buchtipp

Das Buch “Kollektives Trauma heilen” hat mich aufgerüttelt und nachdenklich gemacht. Während des Lesens ist mir immer wieder bewusst geworden, wie traumatisiert unsere Welt eigentlich ist. Der Prozess des hat mich absolut überzeugt – auch auf der Basis dessen, was ich über Traumaintegration bei individuellen Traumata weiß. 

Außerdem hat die Lektüre mein Bewusstsein geschärft, individuelle Traumata vor dem Hintergrund von kollektiven Traumata zu sehen. Dies ist wichtig für meine Traumaarbeit mit Einzelpersonen. 

Das Wissen um kollektive Traumatisierungen ist für uns alles sehr wichtig – ebenso wie das Wissen um das Wesen von Traumatisierungen allgemein. Das macht vieles verständlich. Denn nur mit diesem Wissen können wir erkennen, dass gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Gegebenheiten nicht normal sind. Sie sind Folge von kollektiven Traumata und können mit dem Prozess integriert werden.

Kollektives Trauma heilen von Thomas Hübl *affilate link

Kollektives Trauma heilen ist ein großartiges Buch: voller Wissen, Weisheit und Innovation. Ein Plädoyer dafür, wie wichtig Traumaintegration für uns Menschen ist.

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