Kommunikationsblockade: Ratschläge

Ratschläge: großer Holzhammer zerschlägt kleines EiRatschläge sind auch Schläge (c)stevepb/Pixabay

Kommunikationsblockaden verwenden wir sehr oft – ohne böse Absicht. Aber sie blockieren den Gesprächsfluss im Dialog. Die Kommunikationsblockade Ratschläge sind eine absolut typische Kommunikationssperre – obwohl die meisten Ratschläge gut gemeint sind.

Kommunikationsblockaden bzw. Kommunikationssperren beruhen auf dem Konzept des verstorbenen Psychologen Thomas Gordon.

In dieser Blog-Serie stelle ich Euch 12 typische Kommunikationsblockaden vor. Hier geht es um Ratschläge, eine der häufigsten und schädlichsten Kommunikationsblockaden.

Ratschläge kommen oft vor

Ratschläge verstecken sich hinter vielen Formulierungen. Und können auch in Form einer Frage auftauchen. Oder politisch korrekt mit der Formulierung Ich finde, dass du.

  • Du hast dich aber auch blöd verhalten!
  • Findest du nicht, dass du ein bißchen zu viel erwartest?
  • Meiner Meinung übertreibst du…
  • Ich finde, du solltest es soundso machen!

Beispiel: Du musst nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein

Hier ein typisches Beispiel, wie Ratschläge der Kommunikation schaden:

Klara hat sich gerade als Rechtsanwältin selbstständig gemacht. Obwohl Klara viele Gedanken, Zeit und Geld in Marketing investiert hat, lassen Mandanten auf sich warten. Ihr Freund Peter will ihr Mut machen und sagt: „Du musst nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und die richtigen Leute treffen.“

Klara bricht in Tränen aus. „Dann kann ich es also ganz sein lassen!“ schreit sie Peter an. Was sie verstanden hat: Mein Erfolg ist vom Zufall abhängig. 

Peter weiß nicht, warum Klara empört ist. Er wollte ihr nur Mut machen.

Ratschläge schaffen eine Hierarchie

Warum schaden Ratschläge dem Dialog und dem Miteinander? Schon der Volksmund kennt den Spruch: Ratschläge sind auch Schläge.

Ratschläge etablieren eine (unsichtbare) Hierarchie im Gespräch, auch wenn die Dialogpartner eigentlich eine Beziehung auf Augenhöhe haben (Freunde, Kollegen etc.). Ratschläge suggerieren: Ich weiß es besser. Dabei hat der andere nicht einmal das Problem, aber tut so, als ob er die Lösung weiß.

Ratschläge tun so, als ob die Lösung ganz einfach ist und ignorieren, wie schwierig die Situation für den anderen ist. Ratschläge würdigen ebensowenig, welche Bemühungen der andere bereits unternommen hat, eine Lösung für seine Situation zu finden.

Ratschläge schaden dem Gesprächsfluss

Ratschläge blockieren die Verbindung, die wir in einem Gespräch miteinander haben wollen. Denn was kann der Gesprächspartner tun?

Er hat im Wesentlichen 3 Möglichkeiten:

  1. Zustimmen: Das geht auch nach dem Motto „Du hast recht und ich meine Ruh!“. Aber egal, ob mit oder ohne innerer Überzeugung: Mit der Zustimmung ist das Gespräch beendet.
  2. Widerspruch / Verteidigung: Aber das stimmt doch gar nicht! Dann verwickelt man sich in einen Streit oder Konflikt und redet darüber, ob der Ratschlag stimmt oder nicht – aber nicht mehr darüber, um was es eigentlich geht.
  3. Gegenangriff / Vorwurf: Du hast doch keine Ahnung, wovon du sprichst. Auch diese Reaktion führt zu Konflikten und Streit – und das eigentliche Thema ist vom Tisch.

Ratschläge lösen deshalb sehr oft die Reaktion aus: Du verstehst mich einfach nicht! Denn sie vermitteln einem wirklich das Gefühl; ich will gerade mit dir über meine Situation reden und du gibt mir einen Ratschlag.

Doch wie kannst du am besten reagieren, wenn du einen Ratschlag bekommst, den du nicht hören willst? Und zwar konstruktiv! Also so, um mit dem anderen in Kontakt zu bleiben:

Ich will gerade keine Ratschläge hören. Am besten hilfst du mir, wenn du einfach versuchst, mich zu verstehen.

Wie das geht, versuchen den anderen zu verstehen, erfährst du weiter unten.

Wie unsere Ratschläge auf offene Ohren treffen

Das vertrackte ist: Ratschlag-Geber verfolgen mit ihren Ratschlägen meist gute Absichten (dem anderen helfen, ihr Wissen teilen, die Sorgen abstellen). Aber die meisten Menschen wollen keine Ratschläge hören, die einfach mal ungefragt übergestülpt werden.

Wenn wir etwas wissen, das dem anderen mit seinem Problem weiterhelfen könnte, dann können wir ihn fragen, ob er es hören will. Denn dann etablieren wir keine unsichtbare Kommunikationshierarchie. Dann haben wir die Chance, dass unser Ratschlag auf fruchbaren Boden fällt. Denn dann hat der andere die freie Wahl, den Ratschlag anzunehmen oder nicht.

Formulierungsbeispiele zur Vermeidung einer Hierarchie:

  • „Ich sehe es anders als du. Willst du meine Meinung hören?“
  • „Ich bin da anderer Meinung. Darf ich dir das sagen?“
  • “Ich weiß was, was dir vielleicht helfen wird. Willst du es wissen?”
  • “Ich habe da eine Idee. Willst du sie hören?”

Empathie statt Ratschläge

Klara in unserem Beispiel würde gern von ihrem Freund Peter gehört werden. Sie möchte ernst genommen werden und das Gefühl haben, verstanden zu werden. Mit Empathischen Vermutungen auf Basis der Gewaltfreien Kommunikation kann Peter zeigen, dass er sich darum bemüht, Klara zu verstehen.

Doch Empathische Vermutungen schaffen Intimität. Deshalb sind sie nur dann sinnvoll, wenn die beiden Gesprächspartner eine gute Beziehung haben – und Klara sich auch verletzlich zeigen kann.

Lösungsvorschläge mit Empathie

  • Bist du frustriert und willst Erfolge für deine Marketingbemühungen sehen? (Selbstwirksamkeit)
  • Das klingt so, als ob du dir Sorgen machst, weil du dir finanzielle Sicherheit wünschst?
  • Fühlst du dich gerade etwas planlos und wünscht dir, dass du deine berufliche Zukunft planen kannst?
  • Bist du enttäuscht und brauchst Zuversicht und frischen Mut?

Wie du in sieben einfachen Schritten Empathie lernen kannst erfährst du hier.

Kommunikationssperren – zum weiterlesen

Hier kannst du dir mein Ebook „Gute Gespräche führen“ herunterladen mit den Kommunikationsblockaden nach Thomas Gordon und was du tun kannst, damit Kommunikation gelingt.

Alle 12 Kommunikationsblockaden mit vielen Beipsieldialogen und theoretischen Hintergrundinformationen rund um Kommunikation und Empathie findest du in meinem Buch: Zuhören ist ein Geschenk im Kösel-Verlag.

Buchcover mit Worten: Zuhören ist ein Geschenk

Im Buch erkläre ich anhand vieler Beispiele, wie Worte wirken und warum sie die Kommunikation blockieren. Du lernst fünf Zuhörgeschenke kennen, mit denen Du das Miteinander wertschätzend gestalten kannst. Mit zahlreichen Übungen zur Selbstreflektion lernst du dein Kommunikationsverhalten zu hinterfragen und zu ändern.

Wie du deine Kommunikationsfähigkeiten verbessern kannst

Deine Kommunikationsfähigkeiten verbesserst du am besten im Kommunikationstraining, in der Empathiegruppe oder im Online-Training weil du da mit anderen Menschen an praktischen Beispielen üben kannst.

Buche ein Einzelcoaching, wenn Du jemanden brauchst, der dir empathisch zuhört oder mit dir gemeinsam deine Kommunikation reflektiert und professionalisiert.

Hier kannst du dir mein Video über die Kommunikationsblockade Ratschläge anschauen:

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