Über geimpfte und ungeimpfte und was Sprache mit uns macht

bearbeitetes Bild- Menschen die ernst schauen und den Finger am Mund habenKELLEPICS / Pixabay -Statische Sprache führt zu gesellschaftlicher Spaltung und Gewalt

Geimpft oder ungeimpft, das ist hier die Frage“, würde ich mit Shakespeare fragen in Anlehnung an seine berühmte Formulierung „Sein oder nichtsein“. Unser gesellschaftliches Leben dreht sich um nichts anderes mehr – und das macht mir Angst. Angst vor Diskriminierung, Unsachlichkeit und Spaltung unserer Gesellschaft. Worte wirken. Und die Bezeichnung ungeimpft und geimpft haben sehr hohes Potential. Warum ich darauf komme – hier mehr darüber.

Statische Sprache führt zu Gewalt

Im Standardlehrbuch der Gewaltfreien Kommunikation (Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens) zitiert der Autor Marshall Rosenberg eine Studie (mindestens von 1970). Diese vergleichende Studie hat in mehreren Ländern den Zusammenhang zwischen Sprache und Gewalt untersucht. Die Wissenschaftler haben die geschriebene Literatur (Bücher, Zeitungen) des jeweiligen Landes nach diversen Kriterien erforscht. Und sie haben die Gewalt im jeweiligen Land anhand von Verbrechen, häuslicher Gewalt etc. gemessen. 

Dabei haben sie folgendes herausgefunden: Je mehr statische Sprache eine Landessprache verwendet, desto mehr Gewalt in der Gesellschaft gibt es.

Je mehr statische Sprache ein Land verwendet, desto mehr Gewalt in der Gesellschaft gibt es. Es gibt also einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Sprache und Gewalt.

Studie aus dem Buch von Marshall Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation eine Sprache des Lebens

Statische Sprache – was ist das?

Was ist statische Sprache? Statische Sprache ist gekennzeichnet, dass es in ihr viele Subjekte, abstrakte Begriffe und Zuschreibungen gibt. Also zum Beispiel die Reichen, die Armen, das Forschungsgebiet – aber auch Ungerechtigkeit, Gesundheit, 

Der Unterschied zur statischen Sprache ist dynamische Sprache. Die dynamische Sprache beschreibt mit Verben anschaulich und bildhaft, was gerade passiert. Also zum Beispiel: Bill hat ein Jahreseinkommen von 100.000 Euro und Sandra hat ein Jahreseinkommen von 500 Euro. Ein Laib Brot kostet 50 Cent.

Die statische Sprache zementiert Begriffe und schafft Raum für Urteile und Vorurteile. Dynamische Sprache beschreibt und ist genauer.

Was ist gewaltfreie Sprache?

Was hat das mit Gewaltfreier Kommunikation zu tun? Die Gewaltfreie Kommunikation ist eine Konfliktlösungsmethode, die Marshall Rosenberg in den 1970er Jahren begründet hat. Viele Konflikte entstehen, weil wir aneinander vorbei reden und nicht genau sagen, was wir meinen. Deshalb ist der erste Schritt (von vier) die Beobachtung.

Das heißt, wir entfernen alle Vorwürfe, Verallgemeinerungen, Zuschreibungen und beschreiben den Sachverhalt so objektiv und neutral, als ob ihn eine Kamera aufnehmen würde.

Statische Sprache formuliert es so: “Du bist faul, weil du ständig auf dem Sofa rumliegst!”

Dynamische Sprache eher so: “Es ist ein ganz normaler Arbeitstag und du liegst 3 Stunden auf dem Sofa!”.

Soviel zu statischer und dynamischer Sprache. Jetzt zurück in die Gegenwart.

Geimpft, ungeimpft spaltet die Gesellschaft

Es scheint mir, als ob sich die ganze Welt nur um “Geimpfte” und “Ungeimpfte” dreht, um Genesene und Nicht-Genesene, um Impfverweigerer und Impfbefürworter, um Corona-Leugner und Corona-Jünger. 

So, wie wir heute miteinander sprechen und wie in den Medien berichtet wird: Unsere Sprache ist statisch wie ein Eispalast. Da ist kein Raum für eigene Gedanken, für Zwischentöne. Die Meinungen sind zementiert. Die Stimmung ist aufgeheizt bis zum Explodieren und die Gesellschaft in zwei Lager gespalten.

Und auch: Menschen werden am Geimpft-Sein sein, das nicht-geimpft sein ist das andere, das UN-ungeimpfte.

Statische Sprache ist gefährlich.

Etikettierungen wie geimpft und un-geimpft führen zur Spaltung unserer Gesellschaft und zu Gewalt.

Gewaltfreie Sprache in der Corona-Debatte

Wie können wir es besser machen?

Hören wir endlich auf, von Geimpften und Ungeimpften zu sprechen! Wenden wir die Regeln der dynamischen Sprache an!

Geimpfte sind Menschen, die sich gegen das Coronavirus haben impfen lassen.

Und Ungeimpfte sind Menschen, die sich nicht gegen das Coronavirus haben impfen lassen.

Das wäre schon ein erster Schritt – um die Spaltung und Gegensätzlichkeit zu betonen und das Menschliche in den Vordergrund zu rücken.

Eine neue Definition für Geimpfte und Ungeimpfte

Geimpfte sind Menschen, die sich gegen das Coronavirus haben impfen lassen. Ungeimpfte sind Menschen, die sich nicht gegen das Coronavirus haben impften lassen.

Andrea Wiedel

Auch Ungeimpfte sind Menschen

Aber auch Impfen ist Ausdruck einer statischen Sprache. Zum einen ist das Wort Impfen ein abstrakter Begriff, den ich nicht mit einer Kamera wahrnehmen kann. Impfen bedeutet für die meisten Menschen “sich mittels einer Spritze vor einer Krankheit schützen”. Und genau das bezweifeln manche Menschen. Sie sehen in der Corona-Impfung einen gentechnisches Experiment.

Was wir mit einer Kamera sehen würden, wäre, dass sich Menschen mit einer Spritze Stoffe – hier mRNA-Stoffe – injizieren lassen.

Deshalb möchte ich noch einen Schritt weiter gehen und nicht nur von Menschen sprechen, die sich gegen das Coronavirus haben impfen lassen oder nicht gegen das Coronavirus haben impfen lassen.

Geimpfte sind Menschen, die sich mRNA-Stoffe haben injizieren lassen – egal aus welchen Gründen.

Und Ungeimpfte sind Menschen, die sich keine mRNA Stoffe haben injizieren lassen und dies in Zukunft auch nicht wollen – egal aus welchen Gründen.

Auch das Wort Impfung ist statische Sprache. Neutraler ist: sich Substanzen spritzen lassen.

Andrea Wiedel

Impfen ist ein streitbarer Begriff 

Diese Wortwahl erfüllt den Zweck, eine objektive Formulierung zu finden, die bei niemanden Widerspruch auslöst und mit der sich alle einverstanden erklären können. Und wir sprechen von Menschen. Das Menschliche ist nämlich das Verbindende. Egal welche Entscheidung wir getroffen haben: Wir sind alles Menschen, die für sich, für die eigene Gesundheit, aufgrund der eigenen Weltanschauung für oder gegen die Injektion mit mRNA-Stoffen eine Entscheidung getroffen haben. Die neue Definition rückt das Menschliche wieder in den Vordergrund.

Wir brauchen eine andere Sprache, eine dynamische Sprache, wenn wir über das Thema Corona und Corona-Impfung reden. Die Polarisierung führt zu einer Spaltung der Gesellschaft. Und letztendlich zur Gewalt.

Gewalt beginnt beim Denken

Wenn ich gesagt habe, dass ich Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation bin, dann haben manche Menschen gesagt: Ich bin ja gar nicht gewaltvoll. Und haben damit gemeint, dass sie keine körperliche Gewalt anwenden.

Sie haben sich für friedlich gehalten – ohne ein Bewusstsein dafür zu haben, ob nicht ihre Sprache schon gewaltvoll an. Denn Gewalt fängt nicht bei körperlicher Gewalt an, sondern da, wie wir über uns und über andere Menschen denken.

Sprache prägt unser Denken und Denken prägt unser Handeln. Körperliche Gewalt beginnt also im Kopf.

Andrea Wiedel

Gewaltfreie Kommunikation will Gewalt bereits an ihren Wurzeln packen und das Denken schulen. Die Gewaltfreie Kommunikation will ein Problembewusstsein schaffen, dafür, wo wir bereits mit unseren Gedanken bereits gewaltvoll sind – lange schon bevor gewalttätig werden.

Alternative Sprache

Heute, im Dezember 2021, ist die Debatte rund um die Coronaimpfung und die Impfpflicht so richtig angeheizt ist. Es ist notwendig zu erkennen, wie unser statisches Denken, unsere statische Sprache zu der gesellschaftlichen Spaltung und möglicherweise zu Ausschreitungen und Gewalt führt.

Wenn Ihr in Zukunft mit jemanden oder über jemanden sprecht, dann sprecht bitte nicht mehr von Ungeimpften und Geimpften.

Bitte sprecht im Sinn einer dynamischen Sprache von

  • Menschen, die sich gegen Corona Substanzen haben injizieren lassen
  • Menschen, die sich nicht gegen Corona haben spritzen lassen und das in Zukunft auch nicht wollen
  • Menschen, die sich gegen Corona haben sprizen lassen, dies aber in Zukunft nicht mehr wollen

Streitet, aber bleibt im Dialog, hört einander zu. Denn Wir sind alles Menschen!

Buchcover mit Worten: Zuhören ist ein Geschenk

Kommunikationssperren vermeiden und Zuhören lernen

Konkrete ‚Alltagstipps über gewaltfreie Sprache und Zuhören findest du in meinem Buch.

Ich biete Coaching an in dieser schwierigen Zeit. Ich lege Wert auf Raum für Gefühle, für Deine Angst, Sorgen, Wut und Hilflosigkeit – oder was auch immer für Gefühle Du hast. Und ich bringe Dich wieder mit Deiner ureigenen Lebensenergie in Verbindung, mit Deiner Lebendigkeit, Lebensfreude und Liebe. Empathie und Mitgefühl sind die Pfeiler.


Raus aus der Scheiße und rein ins Leben? Heile deine emotionalen Wunden und Kindheitstraumata im Coaching mit Empathie. Übrigens: Coaching mit Empathie geht auch am Telefon!


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