Wie Bäume kommunizieren und was wir von ihnen lernen können

Das geheime Leben der Bäume: ein Weg im herbstlich roten Laubwald, sehr romantischDas geheime Leben der Bäume - (c)Valiphotos/Pixabay

Hast du gedacht, Bäume stehen im Wald im wachsen einfach vor sich hin? Das habe ich auch – bis ich das Buch “Das geheime Leben der Bäume – Was sie fühlen, wie sie kommunizieren” von Peter Wohlleben gelesen habe.

Von Bäumen lernen

Peter Wohlleben ist Förster und hat nach alter Schule Forstwirtschaft gelernt. Deshalb hatten Effizienz, Kultur und Nutzung am Anfang seines Berufslebens einen hohen Stellenwert. Doch im Lauf der Zeit hat er einen anderen Blick auf seinen Wald bekommen. Er hat entdeckt, wie Bäume kommunizieren und was sie fühlen.

Peter Wohlleben erklärt in seinem Buch „Das geheime Leben der Bäume“ auf wunderbare Weise die komplexen Zusammenhänge im Wald. Dabei verwendet er oft Vergleiche mit anderen Zusammenhängen und macht es dadurch leicht verständlich und nachvollziehbar.

Heute hat er sich von der effizienten Nutzung seines Waldes in der kleinen Ortschaft Hümmel verabschiedet. Und hat eine andere Nutzung etabliert: er verpachtet Bäume als Bestattungsort und gibt Survival-Seminare und lehrt für Städter den Blockhüttenbau. Auch ohne Abholzung kann ein Wald betriebswirtschaftlich genutzt werden.

Der Baumforscher Peter Wohlleben plädiert dafür, auch Bäumen und Pflanzen einen Stellenwert als Lebewesen zu geben. Das heißt für ihn: dass wir aufhören, die Bäume als “Nutzfaktor” zu sehen, sondern ihnen Respekt entgegenbringen. Das heißt: das wir Menschen ihnen die Lebensbedinungen geben, die sie brauchen.

Alle Natur, alles Wachstum, aller Friede, alles Gedeihen und Schöne in der Welt beruht auf Geduld, braucht Zeit, braucht Stille, braucht Vertrauen.

Hermann Hesse

Ein Wald ist ein Sozialsystem

Baum ist nicht gleich Baum. Und viele Bäume machen noch keinen Wald. Erst durch das Zusammenspiel vieler Faktoren entsteht Wald. 

Während die Buchen unterirdisch über ihre Wurzelnkommunizieren, sind Birken Einzelgänger und kommunizieren nicht. 

Wie aber kommunizieren Bäume? Buchen kommunzieren miteinander über ihre Wurzeln, mit Hilfe von Pilzen. Die Pilze umhüllen die Baumwurzeln und leiten Signale von einer Wurzel zur anderen. So wissen die Bäume zum Beispiel, welchem Baum es gerade gut geht und welchem Baum es nicht gut geht. Und tatsächlich: Wenn ein Baum Hilfe und Unterstützung braucht, dann lassen ihm andere Bäume Nahrung in Form von Zucker zukommen. 

Auf diese Weise werden auch bereits tote Bäume von ihren Kollegen ernährt und am Leben erhalten. Selbst abgeholzte Baumstämme leben dann weiter. 

Man könnte sogar sagen: Ein Wald ist ein Sozialsystem. Das geschieht nicht ganz uneigennützig. Denn Bäume wissen, wie wichtig auch der kranke und hilfsbedürftige Kollege für die Gemeinschaft des Waldes ist. Auch davon können wir Menschen lernen. Menschen, die auf Sozialhilfe und Unterstützung von der Gemeinschaft angewiesen sind, sind kein Abschaum, sondern immer noch wichtig für die Gemeinschaft als ganzes.

Bäume kommunizieren über die Wurzeln, über Duftstoffe und auch über Geräusche. 

Ein intakter Wald kann im Sommer schwitzen und erzielt damit denselben Effekt wie der Schweiß bei uns Menschen.

Peter Wohlleben

Bäume sind langsam und werden sehr alt

Wie alt werden Bäume? Ein Baum in Schweden hat immer wieder aus seiner Wurzel neu einen Stamm und Blätter gebildet. Forscher haben festgestellt, dass der Old Tjikko 9.950 Jahre alt ist. Damit gilt er als ältester Baum der Welt. Old Tjikko ist ein verhutzelter Baum mit einer unendlich weisen Wurzel. Könnte man das auf Menschen übertragen? Manche Menschen haben eine unendlich weise Seele.

Bäume sind unendlich langsam. Ihre Kindheit und Jugend dauern zehnmal so lange wie unsere, ihre gesamte Lebensspanne mindestens fünfmal so lange.

Peter Wohlleben

Ein Spaziergang im Wald ist erholsam

Spazieren gehen in der Natur ist erholsam. Das wissen viele Menschen aus Erfahrung. Aber es ist ein Unterschied, ob ich im Wald spazieren gehen, im Stadtpark oder zwischen Häusern auf Asphalt. Doch warum ist das so? Es liegt nicht nur an der “guten Luft”, die viel Sauerstoff und gereinigte Luft enthält. Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass es um viel mehr geht. 

Im Wald geht bei Spaziergängern der Blutdruck nach unten, das Herz schlägt langsamer und die Streßwerte sinken. Allerdings treten diese Folgen nicht auf, wenn wir in der Stadt oder in einem Stadtpark spazieren gehen.

Kein Wunder! Denn Bäume in der Stadt werden von der sogenannten Baumschule stark diszipliniert. Ihre Wurzeln werden immer wieder abgeschnitten, was den Baumwesen unglaublich weh tun muss. Außerdem können sie mit abgeschnittenen Wurzeln nicht miteinander kommunizieren. Von der Baumschule in Form und auf Norm gebracht, führen sie ein Leben in starken Zwängen. Deshalb – so vermuten die Forscher – haben Stadtbäume auch nicht die erholsamen Wirkungen auf uns Menschen.

Im oberen Stockwerk, der Chefetage, machen sich mächtige Buchen, Tannen oder Fichten breit und schlucken 97 Prozent der Sonnenstrahlen. Das ist brutal und rücksichtslos. Aber nimmt sich nicht jede Art alles, was sie bekommen kann?

Peter Wohlleben

Bäume müssen sich anpassen

Bäume erziehen ihre Kinder. Wenn ein kleiner Buchensame unter der großen Mama-Buche aufgeht, dann bekommt er wenig Sonnenlicht. Denn die große Mama-Buche mit ihrer breiten Krone nimmt ihren Buchen-Kindern das Sonnenlicht weg. Folglich kann die kleine Buche nur langsam wachsen. Aber dieses langsame Wachstum ist gut für die Baby-Buche. Denn dadurch wird der Stamm resistenter. Bäume, die langsamer wachsen, leben länger.

Bäume müssen sich den äußeren Lebensbedingungungen anpassen: Dem Wetter, den Jahreszeiten, dem Klimawandel, den Feinden wie Specht, der ein Loch in die Rinde schlägt und auch Pilzen, die in ihre Rinde eindringen und das Holz morsch machen.

In der Stadt sind die Belastungen für Bäume so groß, dass die meisten gar nicht alt werden können. 

Peter Wohlleben

Ein guter Umgang mit Ressourcen ist überlebenswichtig

Für Bäume ist ein guter Umgang mit den Ressourcen überlebenswichtig. Bäume müssen sich ihre Ressourcen gut einteilen. Das heißt: Im Sommer wachsen sie und produzieren sie durch Fotosynthese Zucker und Kohlenhydrate. Aber sie geben nicht alle Kohlenhydrate ins Wachstum, sondern behalten immer einen Rest zurück. Wofür? Falls Feinde sie angreifen, falls der Winter besonders hart wird oder falls es unterstützungsbedürftige Baum-Kollegen brauchen. Ist das bei uns Menschen nicht genauso?

Bäume sind extrem fruchtbar und haben ein Gedächtnis

Ein Baum produziert während seines Lebens über eine Million Samen. Eigentlich müssten Bäume wuchern. Aber insgesamt produziert nur ein Baum einen anderen Baum. Was passiert mit den anderen Samen? Sie gehen nicht auf, werden von Tieren gefressen oder erliegen dem Wetter.

Bäume haben ein Gedächtnis, das vermutlich in den Wurzeln zu finden ist. Denn nur so lässt sich erklären, dass Bäume auch an einem anderen Standort weiterwachsen und sich den Jahreszeiten anpassen. 

Hier kannst du etwas darüber erfahren, wie das menschliche Gedächtnis funktioniert und hier, wie wir Traumaspuren in unserem Gedächtnis integrieren können.

Wenn Bäume lernfähig sind, dann stellt sich die Frage, wo sie das erlernte Wissen speichern und wieder abrufen können.

Peter Wohlleben

Bäume sind Individualisten

Bäume sind Individualisten. Jeder Baum entscheidet für sich, wann es Zeit ist, sich auf den Winter vorzubereiten. So gibt es ein Foto, das mich total fasziniert hat: Drei Eichen, die dicht nebeneinander stehen. Jede Eiche entscheidet für sich, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, das Laub einzufärben und sich auf den Winter vorzubereiten.

Bäume brauchen Regeneration

Bäume müssen regenerieren. Ohne Regeneration würden sie krank werden und schneller sterben. Die Regeneration ist also wichtig für Bäume. Wenn Bäume keinen Winterschlaf machen können, dann sterben sie. Wenn wir Bäume im Winter in unser Wohnzimmer bringen würden und ihnen die Kälte des Winters ersparen würden, dann würden sie sterben. Winter und Kälte ist wichtig für Bäume. Sie fahren ihre Lebensfunktionen herunter und regenerieren. Dadurch haben sie ein langes Leben. 

Kann man das nicht auch auf uns Menschen übertragen? Regeneration und Ruhephasen sind wichtig für ein gesundes, langes Leben. Ich lebe gern im Jahreskreis und auch der rät, in den dunklen Wintermonaten zur Regeneration. Und zwar ohne jede Schuldgefühle.

Hier biete ich Seminare zum Jahreskreis an, in denen wir – wieder – lernen, uns mit der Natur und dem Auf und Ab des Jahreskreislaufs zu verbinden.

Ist es bei Bäumen nicht so, dass sie ohne frostige Temperaturen keine erholsamen Winterschlaf haben und daher im Frühjahr nicht in die Gänge kommen?

Peter Wohlleben

Buchtipp: Das geheime Leben der Bäume

Das geheime Leben der Bäume – Was sie fühlen, wie sie kommunizieren” von Peter Wohlleben ist ein wunderbares Buch.

Zum einen ist es sehr liebevoll und hochwertig gestaltet. Wunderschöne Fotografien fangen die Stimmung und Schönheit des Waldes ein. Es ist ein ästhetisches Erlebnis, darin zu blättern. Wichtige Erkenntnisse sind in Sprüchen und Zitaten hervorgehoben. Deswegen würde ich unbedingt zur Hardcover-Ausgabe raten.

Zum anderen erklärt Peter Wohlleben die Zusammenhänge im Wald. Und viele Erkenntnisse können wir auf uns Menschen übertragen:

  • Kommunikation und Vernetzung sind überlebenswichtig
  • ein guter Umgang mit den eigenen Ressourcen sind wichtig für ein langes Leben
  • Bäume brauchen natürliche Lebensbedingungen um glücklich zu sein

„Das geheime Leben der Bäume“ empfehle ich allen Menschen, die sich für die Natur und ihre Geheimnisse interessieren und/oder sich von den wunderschönen Fotografien inspirieren lassen wollen. Leserinnen bekommen einen Einblick über die Komplexität des Waldes.

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