12 Buecher, die mich 2021 total begeistert und beruehrt haben – mit und ohne Corona

Frau liest Ebook-Reader in Hängematte12 Bücher, die mich 2021 total begeister und berührt haben - mit und ohne Corona Meine ganz persönlichen Lesetipps

Das Jahr 2021 war ein aufwühlendes Jahr – und trotzdem ein gutes Lesejahr. Meine zwölf besten und liebsten Bücher möchte ich mit dir teilen: Es ist eine bunte Mischung von berührenden und aufrüttelnden Büchern, meine kunterbunte ganz persönliche Mischung – für Kinder, Romane und Fachbücher. Ein Kinderbuch ist dabei, ebenso wie eine Graphic Novel. Es geht um Frauen und ihren Biografien, Feminismus, Puff-Geschichten, AD(H)S, Aufräumen, Leben, lieben und geliebt werden und ein ganz klein bißchen Corona.

12 Bücher, die mich begeistert oder berührt haben und die ich dir ans Herz legen will. Lesetipps, die auch 2022 noch aktuell sind.

Schreibe mir gern einen Kommentar! Ich freue mich auf einen Austausch.

Buchtipp 2021 #1

Annette Herzog: Einer der bleibt  

Buchtipp Januar: Einer der bleibt von Annette Herzog.

Mit diesen Kinderbuch mit Bildern fing das neue Lesejahr 2021 gut an.

Annette Herzog erzählt in Einer der bleibt die Geschichte von einem Mädchen, das im Krieg ganz allein in einem Dorf zurückgelassen wird. Es hat nichts außer einer Höhle, in der es sich verstecken kann. Auf der Suche nach etwas zu essen (einer Orange vom Orangenbaum) läuft ihr ein Hund hinterher, dem es ähnlich geht wie ihr: von allen verlassen und doch auf andere angewiesen.

Die beiden finden sich und geben sich gegenseitig Halt. 

“Einer der bleibt” ist wunderbar trauriges Buch, das die Stimmung während eines Krieges in Sprache und Bildern einfängt. Obwohl es traurig ist, macht es Mut. Denn es zeigt: Das wichtigste, was wir Menschen brauchen, sind andere Lebewesen, die uns Halt geben. 

Das Bild der Höhle kann (muss aber nicht) Sinnbild für das Leben nach Trauma sein: In der Höhle ist es zwar einsam und dunkel, aber sie bietet Schutz und Sicherheit, Geborgenheit und Ruhe.

Willst du mehr über Kindheitstrauma erfahren? Hier geht’s zum Blogartikel: Kindheitstrauma – wie erkenne und heile ich es?

Annette Herzog: Einer der bleibt  möchte ich jedem Menschen empfehlen, der sich auf diese Gefühle der Einsamkeit und des Alleinseins einlassen kann. Es ist ein wunderbar berührend und heilendes Buch.

Buchtipp 2021 #2

Irmina von Barbara Yelin

Buchtipp Februar: Irmina von Barbara Yelin

Irmina ist eine knapp 300 Seiten starke Graphic Novel, die ich an einem verregneten Samstag nachmittag gelesen habe. Die Protagonistin Irmina ist eine junge Frau, die sich in den 1930er Jahren aufmacht von Deutschland nach England, um dort ihr Glück zu finden. Nach ersten Erfolgen und Stabilität im fremden Land erlebt sie Glück und Freiheit. Und verliebt sich!

Dann aber beginnt der Nationalsozialismus und der zweite Weltkrieg. Deshalb verliert ihr Leben so langsam an Stabilität. Irmina verliert ihren Job und ihre Wohnung. Zum Schluss weiß sie nicht mehr, wie sie sich finanziell über Wasser halten kann. Schließlich trifft sie die Entscheidung, ihr Leben in England aufzugeben und nach Deutschland zurück zu kehren. Doch diese Entscheidung hat auch Einfluss auf ihre große Liebe, die in England zurück bleibt.

In Irmina geht um Entscheidungen, die es im Leben zu treffen gilt. Die politische Lage wirkt sich auf das persönliche Leben aus – auch wenn man nicht unmittelbar Adressat der politischen Maßnahmen ist. 

Apropos Politik: Das Thema Nationalsozialismus ist ausreichend literarisch und journalistisch aufgearbeitet worden. In Irmina findet das Thema auch nur im Hintergrund und mittelbar statt. Es geht “nur” darum, wie die politische Lage das eigene Leben auch mittelbar beeinflusst.

Und auch das ist auch zur Zeit aktuell. Denn die Coronakrise mit den politischen Maßnahmen hat das berufliche und private Leben von vielen Menschen auf den Kopf gestellt. Viele wurden zu Entscheidungen genötigt, die nur mittelbar aufgrund der Coronamaßnahmen oder des Coronavirus ausgelöst wurden.

Irmina von Barbara Yelin ist mit knapp 300 Seiten ein kleiner Wälzer, mit wunderschönen (!), wirklich wunderschönen Bildern. Die Geschichte ist spannend erzählt und hat mich betroffen gemacht. Irmina ist wunderbarer Schmöker für einen verregneten oder verschneiten Nachmittag, der nachdenklich macht und berührt.

Buchtipp 2021 #3

Andri Snor Magnason: Traumland – was bleibt, wenn alles verkauft ist

Buchtipp März: Traumland – was bleibt, wenn alles verkauft von Andri Snor Magnason

Andri Snor Magnason ist ein isländischer Autor bzw. kreatives Multitalent. In dem Buch Traumland – was bleibt, wenn alles verkauft ist setzt er sich kritisch und poetisch mit der Wirtschaftskrise in Island auseinander. Er hinterfragt, wie es so weit kommen konnte, dass die Isländer auf die Wirtschaftsblase hereingefallen sind. Er stellt die Globalisierung in Frage und dass Menschen immer mehr haben wollen. Letztendlich musste die isländische Regierung abdanken, weil sie Millionen zum Fenster hinausgeworfen hat und somit Island geschadet hat.

Island hat die Wirtschaftskrise 2008-2011 gut überstanden. Das ist gelungen, weil sich Island wieder auf seine Werte besonnen hat: einfaches Leben und regionales Wirtschaften.

Geld macht einen Affen aus einem Menschen.

isländische Weisheit

Traumland – was bleibt, wenn alles verkauft von Andri Snor Magnason ist ein wichtiges Buch, von dem wir alle lernen können. Denn ich bin überzeugt, dass wir auch in Deutschland ein wirtschaftliches Post-Covid, eine Wirtschaftskrise und Inflation von phänomenalem Ausmaß erleben werden, erden, das uns noch Jahrzehnte beschäftigen wird. Deshalb werden auch wir uns auf andere Werte besinnen müssen.

Macht dir die Einsamkeit und Isolation in der Coronakrise auch zu schafffen. Hier erfährst du, wie du psychisch stabil bleiben kannst. Coronakrise: Wie kann ich psychisch stabil bleiben?

Buchtipp 2021 #4

Lotti Huber: Diese Zitrone hat noch viel Saft

Buchtipp April: Diese Zitrone hat noch viel Saft von Lotti Huber

Das Buch habe ich bereits luftig bekleidet und ärmellos in meinem Liegestuhl im Garten gelesen. Wer es mir empfohlen hat und warum es in meinem Bücherschrank fand, weiß ich nicht mehr.

Lotti Huber ist erst in reifem Alter als Schauspielerin berühmt geworden und hat u.a. Filme mit Rosa von Praunheim gedreht hat. Vor ihrer schauspielerischen „Karriere“ führte sie ein sehr abwechslunsreiches Leben, beruflich und auch in Liebesdingen. Diese Zitrone hat noch viel Saft ist die Biografie von Lotti Huber, die also auch ein Multitalent ist.

Lotti Huber hat sich immer irgendwie durchgeboxt, hat aus allem das Beste gemacht. Man könnte bei ihr tatsächlich sagen: Wenn ihr das Leben Zitronen gab, dann hat sie Limonade draus gemacht.

Wie Irmina (siehe Buchtipp Februar) wurde das Leben von Lotti Huber durch politischen Maßnahmen beeinflusst. Und wie Irmina war auch Lotti Huber genötigt, Entscheidungen zu treffen. Einerseits hat sie ihre Entscheidungen aus dem Bauch und mit dem Herzen getroffen und andererseits mit dem Verstand überdacht.

Lotti Huber war lange Zeit als Unternehmerin selbständig tätig. Sie erzählt, wie sie Kundschaft und Lieferanten stets gut im Griff hatte – selbstbewusst, aber ohne die anderen vor den Kopf zu stoßen – denn sie wusste, wir sind alle aufeinander angewiesen.

Was mich verblüfft und beeindruckt hat: Viele ihrer Erfolge sind aus finanzieller Not heraus entstanden. Zum Beispiel hat sie sich beim Theater als Komparsin verdingt, weil sie nach dem Tod ihres Mannes die Wohnung nicht aufgeben wollte. Und wurde dadurch die berühmte Lotti Huber, die viele kennen.

Ach ja: und vor allem die Liebe hat das Leben von Lotti Huber bestimmt. Sie hat leidenschaftlich und mit offenem Herzen geliebt. 

Diese Zitrone hat noch viel Saft von Lotti Huber war eine leicht lesbare und äußerst interessante Biografie. Denn sie macht Mut, dass wir es schaffen können, auch in schwierigen Situationen Lösungen zu finden. Lotti Huber hatte ein wildes Leben und ein reiches Leben. Gerade weil sie die Männer geliebt und auch ihrem Mann treu war – ein sehr feministisches Buch.

Buchtipp 2021 #5

Marie Kondo: Magic Cleaning – Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert

Buchtipp Mai: Marie Kondo: Magic Cleaning – Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert

Marie Kondo hat mein Leben und meine Wohnung auf den Kopf gestellt. Ich hatte schon einiges von Marie Kondo gehört und wusste, dass es eine kleine Japanerin ist, die voller Leidenschaft Kleidungsstücke zu kleinen Päckchen faltet. Und dass man radikal ausmisten muss, wenn man es mit ihrer Aufräummethode ernst meint. Davor hatte ich Angst.

Na gut, letzteres hatte ich schon in etlichen Feng Shui Büchern gelesen. Ich war mir bewusst, dass ich einiges zu entrümpeln hatte – obwohl ich mich grundsätzlich für ordentlich und strukturiert halte. Deshalb konnte es ja nicht schaden, noch mal ein Buch übers Entrümpeln zu lesen. Ohne wirkliche Begeisterung begann ich zu lesen. Aber das änderte sich schon nach wenigen Seiten. Danach ich habe das Buch Marie Kondo: Magic Cleaning – Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert verschlungen.

Daraufhin begann bei mir eine mehrwöchige Ausmistaktion, bei der ich mich nicht bremsen konnte.

Nur so viel: Marie Kondo beschäftigt sich seit ihrer Kindheit mit Ausmisten, Sortieren und Ordnung halten. Voller Bescheidenheit (und sie hat mittlerweile sogar eine eigene Serie auf netflix) sagt sie – typisch japanisch – von sich: Ich kann doch nichts Besonderes, nur Ordnung schaffen. Aber das kann sie eben extrem gut. Es scheint ihr in den Genen zu liegen – denn bereits als Kind hat sie ihre Nachmittage mit dem Ausmisten und der Lektüre von Ordnungs Zeitschriften zugebracht.

Ich will hier nicht die Marie Kondo Aufräum-Methode erklären. Vielleicht tue ich das an anderer Stelle. Vielmehr will ich Neugierde schaffen für ihr Buch schaffen.

P.S. Ich habe mir dann auch noch ihr zweites Buch gekauft – aber das kann man sich sparen, weil es viele Wiederholungen sind und nichts wesentlich neues. Aber den Manga Die KonMari-Methode: Wie du Liebe, Job und Alltag in Ordnung bringst kann ich wieder empfehlen, weil er vieles auf den Punkt bringt.

Marie Kondo: Magic Cleaning – Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert wird dein Leben verändern: In deinem Leben wird kein Stein auf dem anderen bleiben und in deiner Wohnung kein Buch, kein Kleidungsstück, kein Aktenordner, nichts.

Buchtipp 2021 #6

Barbara Winter: Ad(H)S ist kein Fluch, sondern ein Segen: Ein Plädoyer für die stark unterschätzten Vorteile von AD(H)S

Buchtipp Juni: Barbara Winter: Ad(H)S ist kein Fluch, sondern ein Segen: Ein Plädoyer für die stark unterschätzten Vorteile von AD(H)S

Im Juni war ich es leid, beim Lesen gegen die Sonne zu blinzeln, und habe ich mir mal ein Hörbuch auf audible gegönnt. Für 3,67 Euro kann man nichts falsch machen, habe ich gedacht.

Selten habe ich für 3,67 Euro so wertvolle Informationen erhalten: Barbara Winter erklärt ausführlich, warum sich Menschen mit AD(H)S so schwer tun. Es liegt nämlich nicht daran, dass AD(H)S so eine furchtbare Diagnose ist. Im Grunde ist AD(H)S nämlich nicht einmal eine psychische Erkrankung, sondern nur eine ganz bestimmte Art und Weise, wie das Gehirn verdrahtet ist. Allerdings ecken Menschen mit AD(H)S in unserer Gesellschaft ständig an, weil die Gesellschaft unmögliche Anforderungen stellt. Und anstatt die typischen Stärken von AD(H)S zu würdigen, (wie zum Beispiel Kreativität, Querdenken, Ideenreichtum) die unsere Gesellschaft dringend brauchen würde – bekommen Menschen mit AD(H)S eine psychische Diagnose verpasst und wir versuchen an ihnen herum zu doktern und zu erziehen.

Dieses Hörbuch Ad(H)S ist kein Fluch, sondern ein Segen: Ein Plädoyer für die stark unterschätzten Vorteile von AD(H)S von Barbara Winter hat mich – zum ersten Mal,zum aller-aller-aller ersten Mal – mit den Symptomen und meiner Diagnose ADS ausgesöhnt.

Barbara Winter: Ad(H)S ist kein Fluch, sondern ein Segen: Ein Plädoyer für die stark unterschätzten Vorteile von AD(H)S ist eine dringende Hörempfehlung für alle, die die Diagnose AD(H)S haben oder mit Menschen mit AD(H)S zu tun haben.

===Mehr zu AD(H)S demnächst hier – in einem Blogartikel

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Buchtipp 2021 #7

Wolfgang Wodarg: Falsche Pandemien -Argumente gegen die Herrschaft der Angst

Buchtipp Juli: Wolfgang Wodarg: Falsche Pandemien -Argumente gegen die Herrschaft der Angst

Bislang hatte ich schon etliche Bücher zum Thema Corona gelesen, von denen aber hier nicht die Rede sein soll, weil sich mein Blog mit den Themen Coaching und Kindheitstrauma, Persönlichkeitsentwicklung und Psyche beschäftigt. Aber das ist ein ganz besonderes Buch.

Wolfgang Wodarg hat eine entsprechende Lebenserfahrung als Mediziner und als Politiker. Außerdem ist er sehr belesen und hinterfragt viele Dinge philosophisch. So gibt es in seinem Buch auch immer wieder Buchtipps zu allgemeinen Themen der Philosophie: dass es keine 100%ige objektive Wahrheit gibt, dass man diese am besten im Diskurs erkennt etc.

Wodarg schildert seine Erfahrung mit dem Gesundheitssystem und vor allem mit politischen Entscheidungen. Es waren neue Informationen drin. Und ich musste ein paar Mal das Buch zur Seite legen und das Lesen unterbrechen, weil ich vor Betroffenheit Weinen musste. Das habe ich sehr, sehr selten.

Außerdem zeigt Wolfgang Wodarg auch Lösungen auf, wie wir politische Entscheidungen anders treffen können, so dass sie mehr vom Volk getragen werden. Denn in einer Demokratie gilt: Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Das Volk regiert das Volk.

Wolfgang Wodarg: Falsche Pandemien -Argumente gegen die Herrschaft der Angst ist für mich DAS Buch zur Coronakrise, weil es medizinisch, politisch, philosophisch, realistisch und optimistisch ist.

Buchtipp 2021 #8

Ilan Stephani: Lieb und teuer: Was ich im Puff über das Leben gelernt habe (Hörbuch)

Buchtipp August: Ilan Stephani: Lieb und teuer: Was ich im Puff über das Leben gelernt habe

Von diesem Buch hatte ich wieder mal nicht viel erhofft. Ich hatte gedacht, es handelt sich um “Geschichten aus dem Puff”, die man mal so nebenbei hören kann. Deshalb erwartete ich unterhaltsame, delikate und spannende Puff-Geschichten.

Und dann kam es wieder mal ganz anders. Puffgeschichten gab es nur am Rande – dafür gesellschaftliche, soziologische und persönliche Reflektion. Sind es wirklich die Männer, die die Frauen ausnutzen? Welchen Stellenwert schenkt die Gesellschaft den Prostituierten? Warum schadet das Prostituiertenschutzgesetz der Prostitutuion? Was macht der viele Sex mit den Frauen? 

Prostituierte sind ganz normale intelligente Frauen, die einen Beruf ausüben, und wesentlich schlechter bezahlt werden, als viele meinen.

Nach etlichen Jahren im Puff und nach etlichen Seiten Lektüre kommt Ilan Stephani zu dem Ergebnis: Die, die unter Prostitution wirklich leiden, sind die Männer. Denn das Bild, das unsere Gesellschaft von Männern und Frauen hat, ist unmenschlich und entfernt uns von uns selbst – vor allem die Männer von sich selbst. 

Die, die unter Prostitution am meisten leiden, sind die Männer. 

Ilan Stephani

So hatte ich das – als überzeugte Feminstin – noch nie gesehen. Doch Ilan Stephani hat mich überzeugt. Das ungute Gefühl, das mich überfällt, wenn ich mir das Verhalten und die Rollen von Mann und Frau anschaue, hat nicht nur etwas mit der Unterdrückung der Frauen sondern auch mit der Unterdrückung der Männer zu tun.

Ilan Stephani: Lieb und teuer: Was ich im Puff über das Leben gelernt habe ist ein aufrüttelndes Buch mit viel Inhalt und klugen Gedanken. Als Hörbuch klar gesprochen.

Buchtipp 2021 #9

Cristina Clemm: Akteneinsicht. Geschichten von Frauen und Gewalt

Buchtipp September: Cristina Clemm: Akteneinsicht. Geschichten von Frauen und Gewalt

Cristina Clemm ist Rechtsanwältin, die sich auf Frauen mit Gewalterfahrungen spezialisiert hat. Sie berichtet von ihrem beruflichen Alltag und den unterschiedlichen Schicksalen der Frauen. Es ist stilistisch leicht zu lesen, aber inhaltlich sehr aufwühlend.

Cristina Clemm beschreibt die Rechtswirklichkeit vor Gericht und auf welche Hindernissen Frauen treffen, die den Rechtsweg beschreiten. Die Dunkelziffer ist hoch und auch die Anzahl von Frauen, die die Täter nicht anzeigen. Ich bin Juristin und mir ist teilweise der Mund offen stehen geblieben vor so viel Ungerechtigkeit. Im Prinzip setzt sich die strukturelle gesellschaftliche Gewalt gegen Frauen auf dem Rechtsweg fort.

Cristina Clemm: Akteneinsicht. Geschichten von Frauen und Gewalt ist ein sehr empfehlenswertes Buch – wenn auch desillusionierend. Ich halte es wichtig auch als Einstieg in die soziale Arbeit, um einen realistischen Blickwinkel auf die Probleme zu bekommen.

Buchtipp 2021 #10

Antje Joel: Prügel. Eine ganz gewöhnliche Geschichte häuslicher Gewalt

Buchtipp Oktober: Antje Joel: Prügel. Eine ganz gewöhnliche Geschichte häuslicher Gewalt

“Prügel” von Antje Joel hab ich der herbstlichen Sonne gelesen. Und die brauchte es auch, um mein Herz nicht erfrieren zu lassen.

Antje Joel erzählt schonungslos und ehrlich, wie sie von zwei Ehemännern körperlich misshandelt und geschlagen wurde. Insgesamt schildert sie zwei Gewaltszenen. Der Rest – und das ist das Wichtigere – ist ihre Biografie und Reflexionen.

Wenn es um Frauen in Gewaltbeziehungen geht, stellt sich immer die Frage: Warum bist du nicht gegangen?

Und diese Frage beantwortet Antje Joel für sich selbst und die Leser umfassend und ehrlich. 

Sie schildert auch die Doppelmoral der Gesellschaft und der Akteure des Helfersystems: Während sie noch in der Ehe mit dem Täter ist, heißt es: Warum gehen Sie nicht? 

Und als sie gegangen war und mit vier Kindern alleinerziehend und ohne Unterstützung da stand heißt es: Warum sind Sie gegangen? War es wirklich so schlimm?

Die strukturelle, gesellschaftliche Gewalt gegen Frauen ermöglicht erst die körperliche Gewalt in der Zweierbeziehung, die eigentlich ein Abbild unserer Gesellschaft ist. 

Beim Lesens war ich mehr wütend auf die Mutter der Ich-Erzählerin als auf die prügelden Ehemänner. Die Ignoranz, Kälte, Biederkeit und Dummheit der Mutter hat mich wahnsinnig wütend gemacht. Und insofern ist auch die Biografie von Antje Joel, das Kindheitstraumata die Ursache für schwierige Lebensläufe sein können – Intelligenz und Kreativität zum Trotz.

Antje Joel: Prügel. Eine ganz gewöhnliche Geschichte häuslicher Gewalt ist harter Tobak – aber eine ganz klare Leseempehlung – auch um die subtilen Strukturen von Gewalt gegen Frauen zu erkennen.

Buchtipp 2021 #11

Juli Zeh: Über Menschen (Hörbuch)

Buchtipp November: Juli Zeh: Über Menschen

Ein Roman von einer Bestsellerautorin, der mit Corona zu tun hat. Das fand ich spannend. Deshalb hab ich mir das Hörbuch heruntergeladen.

Wegen Corona zieht die Ich-Erzählerin von der Berliner Altbauwohnung nach Brandenburg aufs Land. Den Freund lässt sie erst mal hinter sich – Beziehungsstatus unklar. Den Hund nimmt sie mit. Den gut bezahlten Job in Berlin als Kreativartistin verliert sie – wegen Corona. Sie arbeitet von zu Hause bzw. vom home office aus.

Mit viel Arbeit und wenig finanziellen Mitteln richtet sie ihr Haus her, beschreibt die Lebensphilosophie in Brandenburg und macht nach und nach Bekanntschaft mit der bunt gemischten Dorfbevölkerung. In unmittelbarer Nachbarschaft gibt es einen komischen Kautz Otto, den Dorf-Nazi, der knappe direkte Kommunikation bevorzugt. Übergangsweise wohnt bei ihm seine Tochter, die wegen Corona und Schulschließungen zu ihm aufs Land gezogen ist. Denn die alleinerziehende Mutter muss arbeiten. Otto hat eine kriminalistische Vergangenheit – und genau da kommen wir aus dem Schwarz-Weiß-Denken heraus und müssen Urteile und Vorurteile in Frage stellen.

Juli Zeh: Über Menschen ist ein wunderbares Buch, gut geschrieben, spannend zu lesen – und als Hörbuch sehr schön gelesen. Genau richtig für lange Herbst- und Winterabende.

Buchtipp 2021 #12

Franz Ruppert: Ich will leben, lieben und geliebt werden. Ein Plädoyer für wahre Lebensfreude und menschliche Verbundenheit in Freiheit

Buchtipp Dezember: Franz Ruppert: Ich will leben, lieben und geliebt werden. Ein Plädoyer für wahre Lebensfreude und menschliche Verbundenheit in Freiheit

Zuguterletzt ein Buch, dass das aktuelle Thema Corona mit meinem „Lieblingsthema“ Kindheitstrauma vereint. 

Franz Ruppert ist Psychologe und auf Kindheitstrauma spezialisiert. In diesem kleinen – relativ teuren – Büchlein schildert er, wie Kindheitstrauma entstehen (also genau das, was ihr auch auf meinem Blog lesen könnt). Und er geht so weit, dass er behauptet: Wir sind alle traumatisiert – egal ob wir es wissen oder nicht wissen.

Die Menschen, die es nicht wissen oder nicht wahr haben wollen, unterdrücken ihre Gefühle und spalten die liebevollen Anteile ab. Sie werden zu tüchtigen Mitgliedern der Gesellschaft. Aber weil der Zugang zu den Gefühlen und Bedürfnissen fehlt, suchen sie die Erfüllung ihrer Bedürfnisse im außen. 

Deshalb ist es zum Beispiel für viele Menschen wichtig, dass sie sich Substanzen spritzen lassen, um sich vor Krankheitserregern sicher zu fühlen. Gesundheit wird nicht mehr als ganzheitliches Konzept begriffen mit natürlichen Schwankungen, sondern als etwas, was man mit technischen Mitteln künstlich zu sichern sucht.

Der Titel “Ich will leben, lieben und geliebt werden” ist Programm. Emotionale Wunden der Vergangenheit hinterlassen ihre Spuren in unserer Seele. Dabei wollen alle Menschen auf der ganzen Welt nur eines: wir wollen leben, lieben und geliebt werden. 

Franz Ruppert: Ich will leben, lieben und geliebt werden. Ein Plädoyer für wahre Lebensfreude und menschliche Verbundenheit in Freiheit ist ein Must-Read zu den psychischen Hintergründen der Coronakrise. Franz Ruppert rüttelt wach. Wir müssen uns dringend mit unseren Kindheitstrauma auseinander setzen, damit wir persönlich und als Gesellschaft gesund bleiben können.

Willst du mehr von Franz Ruppert zu Kindheitstrauma lesen? Hier geht’s zum Buchtipp: Mein Körper, mein Trauma, mein Ich – von Franz Ruppert


Willst du deine Kindheitstrauma heilen? Coaching mit tiefer Empathie ist eine Möglichkeit! Übrigens: Coaching mit Empathie geht auch am Telefon!


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